Ethik-Forum präsentiert neue Standards für den Einsatz der PEG-Sonden

Essen und Trinken bedeuten Lebensqualität – obwohl die Nahrungsaufnahme natürlich in erster Linie der Bewahrung des Lebens und der Kraft dient. Was aber ist, wenn Menschen keine Nahrung mehr zu sich nehmen können oder wollen? Diesem Thema und der Ernährung über eine PEG-Magensonde widmete sich am 11. Oktober 2007 das Ethikforum der Augusta-Kranken-Anstalt. Dr. Olaf Hagen, Chefarzt der Augusta-Geriatrie, referierte über die neuen Standards, die, von ihm maßgeblich mit erarbeitet, im Bereich der Evangelischen Stiftung Augusta ab sofort gelten.

Wenn Mediziner die Anlage einer PEG anordnen, wollen sie Gewichtsverlust und Mangelernährung vermeiden. „Die perkutane endoskopische Gastrostomie (abgek.: PEG)“, so schreibt Wikipedia im Internet, „ist ein endoskopisch angelegter direkter Zugang zum Magen, der die Bauchwand durchdringt und der bei Patienten mit Schluckstörungen unterschiedlichster Ursache die künstliche Ernährung über lange Zeit ermöglicht.“

Der Begriff „perkutan“ leite sich aus dem Lateinischen ab und könne mit "durch die Haut hindurch" übersetzt werden. Gastrostomie setze sich aus den beiden griechischen Wortteilen "gastro" und "stomie" zusammen, wobei ersteres Magen und letzteres Öffnung bedeute. Die dabei verwendete PEG-Sonde sei ein elastischer Kunststoffschlauch, der im Rahmen einer Gastroskopie (Magenspiegelung) gelegt werde.
Die normale, orale Aufnahme von Nahrung, wird, so Dr. Hagen in den neuen Leitlinien, stets angestrebt. Manchmal sei diese normale Nahrungsaufnahme aber mit schwerer Belastung verbunden und führe dann zu Mangelernährung und, dadurch bedingt, zu zusätzlichem Leiden. Durch Sondenernährung – niemals ohne Zustimmung des Patienten oder seines gesetzlichen Vertreters - könne hier Besserung herbeigeführt werden.
Eine PEG-Sonde sei aber, so Dr. Hagen, immer die „ultima ratio“ bei Unfähigkeit zu essen oder zu trinken. Grundsätzlicher Verzicht auf eine solche Sonde aber sei medizinisch wie ethisch nicht sachgerecht. Zwangsmaßnahmen allerdings seien dringend zu vermeiden. Falls eine Sonde abgelehnt werde, sei dieser Konsens zu dokumentieren, die Anlage der PEG zu unterlassen.
Zur Sprache kam der Fall eines Patienten mit raumgreifendem und metastasierendem Speiseröhrenkarzinom, der mittels einer PEG-Sonde sehr gut hätte versorgt werden können. Dieser aber hatte darauf bestanden, dass der Primärtumor entfernt wurde, damit er wieder etwas essen konnte. „Wenn ich schon sterben muss“, hatte der Patient gesagt, „dann möchte ich wenigstens noch eine Weile anständig essen können.“
In der finalen Phase einer Demenz, so Dr. Hagen, können Hunger und Durstgefühle vollends fehlen. Die Patienten leiden aber (infolge der bei Sterbeprozessen veränderten physiologischen Zustände) nicht darunter. Hier sei vieles zu beachten. Auch die Kompetenz der Pflegenden solle in solchen Fällen genutzt werden. Fürsorgliches Anreichen von Flüssigkeit und Nahrung (ohne jeden Zwang) sowie kompetente Mundpflege sei hier angeraten.

Nachsatz
Die PEG-Sonde ist übrigens nicht der erste Treffer, den die Internet-Suchmaschine Google bei der Anfrage PEG anzeigt. Unter PEG wird auch die Prignitzer Eisenbahn GmbH gelistet, die Personenverkehrszüge u.a. in Brandenburg und NRW (Dortmund nach Gronau) betreibt. Treffer Nummer zwei ist die Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie eV, die freilich am nächsten „dran“ ist an unserer medizinischen Fragestellung. Die Perkutane Endoskopische Gastrostomie taucht als Nummer 3 auf – noch vor der Papeteristen Einkaufs-Genossenschaft.