Farida (4) im EvK operiert

Dunkle Augen, schwarze Haare mit zwei Stummelzöpfen – und die flinke, kecke Zunge, die so gar nicht im Mund bleiben will, während ihre kleine Besitzerin im Krankenzimmer Bilder malt: Die kleine Farida Farid ist vier Jahre alt, kommt aus Afghanistan und versteht nur wenig von dem, was rund um sie herum passiert: Im Evangelischen Krankenhaus wurde die Vierjährige jetzt operiert.

So richtig nervös oder ängstlich wirkt das Mädchen in der so fremden Umgebung nicht. Ganz im Gegenteil strahlt ihr die kindliche Neugier und der Schalk aus den Augen. Zwei Puppen und Pflegemutter Susanne Schötte begleiten die Kleine, die schon alle ins Herz geschlossen haben. Auch Stationsleiterin Ute Köhler und Dr. Jihan Mohasseb, die Chefärztin der Mund-, Kiefer- Gesichtschirurgie am EvK, sind begeistert.

Für Mohasseb ging es darum, Faridas Gaumen und Kiefer zu verschließen. Die Kleine war schon einmal operiert worden: Die vorher vorhandene Lippenspalte ist hervorragend geschlossen worden. Von außen und an Faridas Oberlippe sah man vor der Operation nicht, dass es hier für die Chirurgie noch etwas zu erledigen gab.

Dass die Kosten für Operation und Krankenhausaufenthalt in diesem speziellen Fall nicht berechnet werden, versteht sich für Dipl.-Kaufmann Mario Kleist, den Kaufmännischen Leiter des Hauses, ganz von selbst. Humanitäre Operationen und Einsätze haben am EvK eine lange und große Tradition: Dr. Mohasseb, Chef-Anästhesist Dr. Gerhard K. Schlosser und viele andere - Schwestern, Pfleger und Helfer -  waren z.B. schon sehr oft im fernen Osten, um dort zu operieren. Regelmäßig opfern die Helfer dabei eigenen Jahresurlaub.

Im Krankenzimmer betreute Susanne Schötte aus Hagen die kleine Afghanin. Schötte hat selbst zwei Kinder und war schon öfter „Ersatzmama“. Mit ihren eigenen Kindern klappte Faridas Verständigung hervorragend: Mit Händen und Füßen. „Aber einige deutsche Worte kann sie auch schon sprechen.“ Dabei ist Farida erst vor drei Wochen mit der Organisation „Kinder brauchen uns“ nach Deutschland gekommen. Rund 50 Kinder insgesamt sind mit ihr dabei gewesen.

Aus der Vergangenheit weiß die 40jährige Pflegemutter, dass die Kinder unglaublich schnell lernen. Weil Farida insgesamt etwa drei Monate in Deutschland bleiben wird, ist davon auszugehen, dass sie mit recht guten Deutschkenntnissen nach Afghanistan zurückkehrt.

Susanne Schötte erinnert sich, dass einmal ein Kind neun Monate bei ihr geblieben ist. „Und dann war es enorm schwer, das Kind wieder abzugeben.“ Das habe richtig weh getan. Deshalb braucht die Hagenerin auch immer mal wieder zwischendrin eine Auszeit. Um wieder offen zu sein für das nächste Kind in Not.