Anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftat (ASS) ist nun auch in Bochum möglich

Eine Informationsveranstaltung zur „anonymen Spurensicherung nach Sexualstraftat“ (ASS), die jetzt auch in Bochum möglich ist, bot der Interdisziplinäre Arbeitskreis gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen am 07.11.2007 in der Aula der Augusta-Kranken-Anstalt. Zum Thema „Vorgehen bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch“ sprach an diesem Nachmittag auch Priv.-Doz. Dr. Gabriele Bonatz. Die Chefärztin der Augusta-Frauenklinik war zu dieser wichtigen Veranstaltung gekommen, obwohl sie gesundheitlich angeschlagen war.

Der psychische Druck für das Opfer von Sexualstraftaten ist immens hoch. Nicht selten gehen auch massive Bedrohungen des Täters einher, damit das Opfer keine Anzeige erstattet. Aus Angst und aus Scham trauen sich Opfer dann nicht direkt nach der Tat eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Dabei ist es gerade zu diesem Zeitpunkt möglich, wichtige Beweise zur Überführung des Täters zu sichern. Um diese Zwangssituation zu beseitigen, entwickelte der interdisziplinäre Arbeitskreis gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendliche ein System der anonymen Spurensicherung. 

Betroffene Frauen, Jugendliche und Kinder können nun nach der Tat Krankenhäuser, Gynäkologen oder Kinderärzte unserer Region aufsuchen, um sich nicht nur ärztlich behandeln zu lassen, sondern auch um die Spuren der Gewalttat zu dokumentieren und zu sichern. Diese Beweise werden dann anonym beim Institut für Rechtsmedizin codiert gelagert bis das Opfer der Gewalttat sich zu einer Anzeige entschließen kann. Die eingelagerten Spuren können dann als wichtiges oder vielleicht auch als einziges Beweismittel dienen.

Zur Information aller sozialen und medizinischen Einrichtungen sowie aller Kinder- und Frauenärzte der Region Bochum, Herne, Recklinghausen und Witten fand der Informationsabend in der Augusta-Kranken-Anstalt statt. Nach dieser Veranstaltung kann das anonyme Spurensicherungs-Set für Opfer von Sexualstraftaten an Krankenhäusern, bei Ärzten oder bei sozialen Institutionen in Anspruch genommen werden.

Im Interdisziplinären Arbeitskreis gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendliche arbeiten viele Fachkräfte der öffentlichen und freien Träger der Jugendhilfe, der Polizei, Staatsanwaltschaft, Kliniken, RechtsanwältInnen, VerfahrenspflegerInnen und der Fachberatungsstellen mit. Ziel ist es, Verfahrensweisen zu entwickeln, um den Schutz von Kinder und Jugendlichen zu verbessern und strafrechtliche Verfahren optimal aufeinander abzustimmen. Dieser Arbeitskreis tagt regelmäßig seit 1998.