Oberarzt Dr. Jassem verabschiedet sich in den Ruhestand

Der Mann ist viel herumgekommen in der Welt. Dennoch fühlt er sich ganz als Hattinger. Und er ist mit Leib und Seele Anästhesist. Von dieser Berufung aber musste er jetzt Abschied nehmen: Oberarzt Dr. Abdulrahman Atiwi Jassem geht nach exakt 30 Jahren im Evangelischen Krankenhaus in den Ruhestand. Die letzten drei von insgesamt mindestens 40.000 Narkosen leitete der 65jährige am Morgen des 7. März ein.

Zum Abschied hatte er dann am Mittag seine Kolleginnen und Kollegen zu einer kleinen Abschiedsfeier in die oberste Etage des Bettenhauses eingeladen. Es gab viele Blumen und noch mehr liebe Worte. "Ich werde euch alle vermissen", sagte ein sichtlich bewegter Dr. Jassem, "und euch immer in meinem Herzen behalten." Auch Chefarzt Dr. Gerhard K. Schlosser machte keinen Hehl daraus, dass ihm sein Oberarzt demnächst fehlen werde.
In Bagdad geboren und aufgewachsen, war Jassem nach dem Abitur zunächst für 18 Monate nach Rumänien gegangen, um dort Chemie zu studieren. Anfang Februar 1961 kam er nach Berlin, arbeitete knapp fünf Monate im Goetheinstitut. Noch vor dem Mauerbau reiste er nach Lüneburg, wo er mehrere Jahre verbrachte.
Nach Sprachlehrgängen bewarb er sich in München um einen Medizin-Studienplatz, wurde aber in Erlangen angenommen. Dort machte er dann sein Physikum. Die klinischen Semester verbrachte er in Rostock, wo er 1974 sein Studium abschloss.
1976 kehrte er der damaligen DDR den Rücken und kam über ärztliche Stationen in Recklinghausen und Gelsenkirchen nach Hattingen, wo er sich am 7. März 1977 im Evangelischen Krankenhaus vorstellte. "Der damalige Chefarzt Dr. Joachim Nahmmacher", erinnert sich Dr. Jassem, "ließ mich fünf Stunden warten." Aber er wurde eingestellt und war schon mit dabei, als am 1. April die neue Intensivstation am EvK eröffnet wurde, die eine der ersten im Bundesgebiet war.
Im Ruhestand wird es Dr. Jassem nicht ganz so ruhig haben wie andere Rentner, denn seine junge Ehefrau Najet freut sich schon, dass er nun mehr Zeit für seine 16monatige Tochter Nadine hat. "Meine Frau", sagt er, "hatte viel Verständnis dafür, dass ich sehr oft lange arbeiten musste." Jetzt ist Gelegenheit, das alles nachzuholen.