Erst 50 Operationen in Deutschland: „Argus“-Band hilft bei männlicher Inkontinenz
Augusta-Urologie führt neuartige Operation ein

Schnell, schonend und nach Aussage der Experten sehr effektiv ist das neue Operations-Verfahren mit dem sogenannten „Argus-Band", das in der Urologischen Klinik der Augusta-Kranken-Anstalt gerade mit zwei Eingriffen Premiere feierte. Oberarzt Dr. Dirk Scheer und sein Gast Dr. Hans-Jürgen Knopf vom Klinikum Dortmund operierten gemeinsam.

Die minimal-invasive Operation kann männliche Harninkontinenz beseitigen, die z.B. bei einer Entfernung der Prostata-Drüse (nach Krebs) vorkommen kann. Zwar können die Patienten mit Beckenboden-Training leichte Formen der Inkontinenz gut in den Griff bekommen, oder Injektionen in den Schließmuskel können bei schwereren Fällen helfen. Methode der Wahl aber, so sagt Augusta-Oberarzt Dr. Dirk Scheer, sei aktuell das „Argus-Band“, weil „die Langzeitergebnisse von Schließmuskel-Injektionen enttäuschend sind.“ Bei künstlichen Schließmuskeln wiederum sei die Komplikationsrate sehr hoch. Außerdem sei „Argus“ preiswerter für die Kassen, die den Eingriff übernehmen.
Das Argus-Band ist eine Schlinge, die unter Narkose vom Damm aus spannungsfrei um die Harnröhre gelegt und oberhalb des Schambeins unter die Haut geführt wird. Ein kleines Kissen liegt dann unter der Harnröhre. Urologen benötigen für den Eingriff nicht länger als 30 Minuten.
 „In Deutschland“, so Dr. Knopf, der Leitende Oberarzt des Dortmunder Kontinenzzentrums, „sind bisher etwa 50 dieser Operationen durchgeführt worden.“ Mehr als die Hälfte davon hat Knopf selbst durchgeführt.
Dr. Scheer bedankte sich nach der gemeinsamen OP bei seinem Gastoperateur. Das neue Verfahren bezeichnet er als viel versprechend und als gute Lösung  für viele Inkontinenzpatienten nach kompletter Entfernung der Prostata. Im Vergleich zum künstlichen Schließmuskel ist die Argus-Methode im Übrigen nicht nur billiger, sondern auch weniger aufwändig: Die Patienten müssen nur etwa fünf Tage stationär behandelt werden.

Inkontinenz, also unkontrollierter Abgang von Harn oder Stuhl, ist im übrigen weit verbreitet und kann jeden, Frauen und Männer, Junge und Alte treffen. In Deutschland, so schätzt man, leiden etwa fünf Millionen Menschen daran. Aus Scham ziehen sich viele Patienten zurück – und nur jeder Fünfte wendet sich an einen Arzt. Und dies, obwohl heute ein Großteil der Menschen von diesem Leiden befreit werden könnte.