Stiftung Pflege e.V. zertifiziert Intensiv-Station für individuelle Besuchsregelungen

Noch beinahe rechtzeitig zum 30. Geburtstag (1. April) der Intensiv-Behandlungseinheit (IBE) wurde dem Evangelisches Krankenhaus Hattingen eine ganz besondere Ehre zuteil: Die gemeinnützige Stiftung Pflege e.V. zertifizierte die IBE des EvK als bundesweit erste Intensivstation für ihr besonders patienten- und angehörigenfreundliches Gesamtkonzept sowie die individualisierten Besuchsregelungen.

Der Besuch und die Nähe von vertrauten Menschen, so die Stiftung, tragen ganz wesentlich zur Genesung von Patienten bei, die aufgrund ihres kritischen Gesundheitszustandes auf Intensivstationen behandelt werden. Dies sind jährlich ca. 2 Millionen Menschen in den etwa 20.000 deutschen Intensiv-Betten.

Wissenschaftlich belegt ist, dass jeder Mensch in einer solchen gesundheitlichen Krisensituation von der Anwesenheit und vom Beistand nahe stehender Personen profitiert. Diese vermitteln das Gefühl von Schutz und Vertrautheit und stellen eine wichtige Verbindung zur Außenwelt dar. Deshalb, so Prof. Christel Bienstein vom Vorstand der Stiftung Pflege, sei es erstaunlich, dass Angehörigen und vertrauten Personen in einigen Krankenhäusern der Zugang zum Krankenbett immer noch durch strenge Regeln und oft nicht nachvollziehbare Gründe erschwert wird.

Im EvK sind aus verschiedenen Gründen flexible und patientenfreundliche Besuchsregelungen seit vielen Jahren Standard. „Es ist schon etwas seltsam“, sagte Pflegedienstleiterin Petra Rüdig, „dass wir für etwas ausgezeichnet werden, was für uns selbstverständlich war und ist.“ Aber man freut sich natürlich sehr, dass man sogar als erstes Haus in der Bundesrepublik das neue Zertifikat erhalte.

Gewohnt eloquent und mit hoher fachlicher Kompetenz erläuterte Dr. Ulrich Kampa, Oberarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin und Leiter der IBE, wie man im EvK mit den Angehörigen und den Intensiv-Patienten umgeht. „Die Patienten brauchen mehr Normalität in dieser abnormalen Lebenssituation“, sagte er. Es seien z.B. schon vor vielen Jahren in jedem Zimmer Fernsehgeräte installiert worden. Dies sei Teil der Normalität. Auch zu Hause sitze man gemeinsam vor dem TV.

Die „Glotze“ helfe sogar bei der zeitlichen Orientierung, denn die meisten Intensivpatienten verlieren den Tag-Nacht-Rhythmus. Die wissen dann: „Ach ja, Tageschau, jetzt ist es Abend.“ Es werde sogar individuelle Musik für den Patienten eingespielt und es gebe, wenn es gewünscht werde, eine Übernachtungsmöglichkeit für die Angehörigen.
Birgit Fischer, der ehemaligen Landesgesundheitsministerin, lag das Thema so sehr am Herzen, dass sie als Privatperson der Feierstunde beiwohnte und damit die Bedeutung des Themas herausstreichen wollte. Wegen Verzögerungen im Programm musste sie sich aber bereits vor der Übergabe des Zertifikates durch Klaus Richter und Dr. Angelika Zegelin verabschieden
In Abwesenheit von Geschäftsführer Ulrich Froese hatte zuvor der Kaufmännische Leiter Mario Kleist die Gäste begrüßt. Auch Prof. Christel Bienstein, Chefarzt Dr. Gerhard K. Schlosser und Frank Sewing von der Stationsleitung der IBE sprachen ein paar Worte.
Klaus Richter, der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung Pflege e.V., hatte über die Stiftung und ihre Ziele referiert, Dr. Angelika Zegelin, Vorsitzende des Fachbeirats der Stiftung, stellte das Projekt "Angehörigenfreundliche Intensivstation" detailliert vor.
Unter http://www.stiftung-pflege.info/page1/page102/page102.html ist das EvK Hattingen als erstes zertifiziertes Haus gelistet. Weitere werden folgen: Es gibt, so Prof. Christel Bienstein vom Vorstand der Stiftung Pflege e.V., bereits vier neue Anträge und 15 weitere Interessenten.