Augusta meditativ: Neun Verwandlungen

„Kann Dunkelheit sich in Licht verwandeln?“ war eine der vielen Fragen, die Elftraud von Kalckreuth am Sonntag in der Kapelle der Augusta-Kranken-Anstalt aufwarf. Die äußerst vielschichtigen Antworten gab sie selbst, zumindest als Anregungen, als Gedankenanstöße bei der Uraufführung der neuesten Fassung ihrer meditativen Texte „Neun Verwandlungen“.

Wenn sich die hellen Wolken in einem dunklen Öltropfen spiegeln, der Blick eines Vorübergehenden wie ein Lichtstrahl das eigene innere Dunkel erhellt, dann ist dies eine solche Verwandlung. Kalckreuths tief beeindruckende Texte zu den Begriffen Geist, Licht, Raum, Grund, Quelle, Weg, Klang, Leid und Zeit adelte der Bochumer Komponist Stefan Heucke mit seinem Opus 46, das im Augusta von dem erst 25jährigen Konzertpianisten Nils Bellmann großartig vorgetragen wurde.

Elftraud von Kalckreuth – das ist ein Name, an den sich viele noch erinnern können. Ältere kennen sie aus der Zeit, als am Fernsehgerät noch drei Knöpfe zum Umschalten reichten und Programm-Ansagerinnen das taten, was die Berufsbezeichnung verhieß. „Elfie“, so der Spitzname der studierten Germanistin und Philosophin, Logotherapeutin und Existenzanalytikerin, arbeitet inzwischen als Autorin und freie Therapeutin. Tief im christlichen Glauben und in der Spiritualität verwurzelt, veröffentlichte sie schon mehrere Bücher und produzierte Meditations-CDs.

Dabei hatte sie nach dem Studium ins Schauspielfach geschnuppert, hatte schon früh unter dem Künstlernamen Eva Anthes unter anderem mit Joachim Fuchsberger in dem Edgar Wallace-Streifen „Der Frosch mit der Maske“ gespielt, bevor sie in den 70er und 80er Jahren als Funk- und TV-Redakteurin und Moderatorin (u.a. beim ZDF) arbeitete und bundesweit bekannt wurde.

Seit Jahren aber gehen Kalckreuths Gedanken ganz weit in die Tiefe, befasst sie sich mit dem Leben, aber auch mit dem Sterben: Schon über 15 Jahre arbeitet sie ehrenamtlich für die Hospizbewegung und hat zu diesem Thema ein Buch vorgelegt, das als eines der Standardwerke gilt.

„Die Texte“, sagt sie, „entwickeln sich weiter, wachsen mit mir.“ So haben sich aus einer zunächst auf etwa 40 Minuten angelegten Meditation inzwischen die fast 80 Minuten ergeben, die im Augusta zur Aufführung kamen.

Die Musik des preisgekrönten Stefan Heucke besticht dabei durch Vielschichtigkeit: An manchen Stellen lässt der Komponist Bäche rauschen, in anderen Passagen wird er experimentell oder lehnt sich an Choräle an. „Hilf Himmel“, kommentiert die professionelle Sprecherin den Schwierigkeitsgrad der Komposition. „Ich bin froh, dass ich nur den Sprechpart habe.“

Und Nils Bellmann ergänzt, dass „Heuke ein Kopfkomponist ist“, der seine Tonsequenzen ohne Klavier erdenkt. Entsprechend hoch, so Kalckreuth, sei der Anspruch an das Können des Mannes an den Tasten. Ein Können, das der Komponist, der mit seinem Vater unter den Zuhörern saß, zuweilen mit einem zustimmenden Nicken kommentierte. Das Publikum allerdings nickte nicht nur: Die Gäste in der Kapelle waren vollends begeistert von dieser außergewöhnlichen Darbietung.