Gynäkologinnen machen Mut bei Harninkontinenz
Beckenbodenzentrum Ruhrgebiet veranstaltet erste Tagung - Neue Therapieverfahren für niedergelassene Ärzte und Kliniker

Bundesweit leiden rund 6 Mio. Menschen unter Harninkontinenz. Drei Viertel von ihnen sind Frauen. Betroffen sind nicht nur die Älteren unter ihnen, sondern auch Jüngere als Folge von Geburt oder Schwangerschaft. Doch Heilung ist möglich. Diesen Standpunkt vertraten PD Dr. Gabriele Bonatz und Luljeta Korca bei einer Veranstaltung des neu gegründeten Beckenbodenzentrums Ruhrgebiet. Die Chefärztin der Frauenklinik der Augusta-Frauenklinik Bochum und des Evangelischen Krankenhauses Herne sowie ihre Abteilungsärztin hatten niedergelassene Mediziner und Kliniker ins Westfälische Museum für Archäologie eingeladen, um ihnen die neuesten Therapieverfahren zu präsentieren.

Einen Schwerpunkt des Seminars bildeten die Themen Senkungschirurgie und operative Therapie bei Harninkontinenz. Hier stieß vor allem das neueste Verfahren der vaginalen Netzinterpositionen auf große Aufmerksamkeit. Dabei wird ein Netz aus Polypropylen auf minimalinvasivem Wege in dem Bereich der Scheide eingesetzt, wo die Senkungsproblematik besteht.

Krankengymnastik wichtig nach Eingriff

Mit der Operation allein ist es jedoch nicht getan. „Auch nach einem solchen Eingriff müssen die Betroffenen ein Leben lang etwas dafür tun, damit die Senkung nicht wieder auftritt“, erklärte EvK-Abteilungsärztin Luljeta Korca. Deshalb kommt der Physiotherapie eine wichtige Rolle zu, wie bei der Veranstaltung betont wurde. Eine Krankengymnastik die speziell auf die Beckenbodenproblematik zugeschnitten ist, hilft, den Operationserfolg zu stabilisieren.

Leidet eine Patientin unter einer überaktiven Blase, d.h. unter einem extremen Dranggefühl, so ist es auch möglich, eine konservative Behandlung auf medikamentösem Wege zu wählen. Hier erfuhren die Tagungsteilnehmer den aktuellsten Stand auf dem Gebiet der Pharmakologie.

Das Beckenbodenzentrum Ruhrgebiet am EvK Herne bietet Frauen mit Blasenproblemen ein umfassendes Spektrum von der medikamentösen über die chirurgische bis hin zur krankengymnastischen Therapie. Grundlage der engen Kooperation von Gynäkologen, Proktologen, Neurologen, Urologen, Physiotherapeuten und Ernährungsberatern ist ein ganzheitlicher Ansatz. Vor diesem Hintergrund erhält jede Patientin eine individuell zugeschnittene Beratung und Behandlung.