Brief des Geschäftsführers Ulrich Froese an die WAZ-Lokalredaktion
nach der Personalversammlung
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Sehr geehrter Herr Laibacher,

ich beziehe mich auf das Gespräch zwischen Ihnen und Herrn Kleist zum Ev. Krankenhaus Hattingen und möchte zu dem Bekannten Stellung nehmen in Form einer Jahresbetrachtung mit Perspektiven und Entwicklungen für das Jahr 2007.

Zunächst zur Beurteilung der wirtschaftlichen Gegebenheiten
Das gesamte Gesundheitssystem befindet sich in einer sehr angespannten finanziellen Situation begleitet durch zum Teil sachlich nicht mehr nachvollziehbare Diskussionen um eine Gesundheitsreform. Die Auswirkungen der Finanzierung für die Beteiligten im Gesundheitssystem sind ganz unterschiedlich. Es gibt seit 3 Jahren ein Fallpauschalenabrechnungssystem unter dem Begriff DRG, dessen Grundlage ist die Bewertung eines Patienten, die bundesweit einheitlich erfolgt. Diese wird dann bewertet mit einem Landesbasisfallwert, der letztendlich in der Gesamtheit einen Ertrag erbringt.

Die Kostenstrukturen der Krankenhäuser sind bundesweit durchgängig vergleichbar. Es werden ähnliche oder gleiche Tarifverträge angewandt für ungefähr 70 bis 80% der Kosten. Dies betrifft das Krankenhaus in München wie Berlin und Hamburg genauso wie Hattingen. Die übrigen 20 bis 30% sind Kosten für medizinische Güter, Wirtschaftsgüter, Energie, Versicherung usw., die im Bundesgebiet ebenfalls durchgängig gleich sind, jedoch nicht die Landesbasisfallwerte. Dies macht insbesondere den Häusern in NRW ein Riesenproblem, da diese am wenigsten für die stationäre Behandlung erhalten. Wäre das Krankenhaus Hattingen in Berlin bekämen wir 2 Mio. mehr.

Dies macht nicht nur dem EvK Hattingen zu schaffen, da es hier nicht nur um Reduzierung von Gewinnen geht, sondern ausschließlich um Leistungen für Mitarbeiter. Insoweit stehen wir vor einem Problem. Wir müssen mehr sparen als andere Krankenhäuser in anderen Bundesländern. Dies wurde vom EvK Hattingen durch die Mitarbeiter in Form des Verzichts der Weihnachtszuwendung getan. Dieses führte auch dazu, dass es zu keinerlei betriebsbedingten Kündigungen gekommen ist. Es gab ein inhaltliches und strukturelles Sanierungsprogramm und Optimierung der Arbeitsabläufe bis hin zur Zentralisierung der Speisenversorgung, Verlagerung nach Bochum mit Einsparungen von 400 TEuro, ein hohes Engagement der Mitarbeiter, die Qualität der medizinischen Versorgung hat nirgendwo gelitten. Deshalb mein großes Lob und Dank an alle Mitarbeiter, was auch am 09.11.2006 während einer Mitarbeiterversammlung von mir persönlich ausgesprochen wurde. Es gibt wenige Einrichtungen, die dieses so unkompliziert und im Interesse aller Mitarbeiter begleitet haben. Es gibt einen gemeinsamen Wirtschaftsausschuss aus Mitarbeitervertretung und Geschäftsführung und hohe Transparenz aller Vorgänge und Zahlen. Dies ist sicherlich eine wesentliche Grundlage um Verständnis für Notwendigkeiten und Gegebenheiten zu erlangen.

Das Jahr 2006 ist inhaltlich gut gelaufen. Es gab eine Konsolidierung in allen Bereichen und Zuwachs in fast allen Fachdisziplinen. Auch wenn die Perspektiven für Einrichtungen des Gesundheitswesens und der Krankenhäuser für die nächsten Jahre nicht besonders rosig sind, wird doch ein verfügbarer Betrag als freiwillige Leistung im Dezember 2006 den Mitarbeitern ausbezahlt. Vorgesehen ist ein Betrag von 30% der normalen Sonderzahlung von 82% auf Grundlage von Grundvergütung und Ortszuschlag. Dies bedeutet für den Einzelnen zwischen 20 und 30% der bisherigen Sonderzahlung.

Zum Jahreswechsel gibt es personelle Veränderungen. Die Mund-, Kiefer-, Gesichts- und Plastische Chirurgie, die vor eineinhalb Jahren verstärkt wurde mit Herrn Dr. Schuhmann als plastischen Chirurgen, wird nun als MKG Abteilung geleitet als Chefärztin von Frau Dr. Mohasseb. Sie ist dem Haus schon lange verbunden, betrieb auch eine eigene Praxis. Durch Hinzunahme weiterer MKG Chirurgen wird sie sich zukünftig wesentlich der Leitung der Abteilung widmen. Damit ist Frau Dr. Mohasseb innerhalb der Ev. Stiftung Augusta die zweite Frau, die eine leitende Funktion, in der sonst männlich dominierten Chefarztriege übernimmt. Herr Priv.-Doz. Dr. Dr. Zerfowski hat nach seiner universitären Ausbildung und dem Zwischenstopp in Hattingen, aus persönlichen Gründen sich für eine Veränderung nach Bielefeld hin entschieden.

Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Frau Dr. Mohasseb. Es gibt Planungen für einen weiteren Ausbau insbesondere inhaltlicher Schwerpunkte innerhalb dieses Fachgebietes.

Die Struktur des Hauses bleibt in vollem Umfang erhalten. Die Verifizierung innerhalb der chirurgischen Klinik mit Bauch-, Visceralchirurgie, Unfallchirurgie, orthopädischer Chirurgie, Gefäßchirurgie, Handchirurgie und Plastischer Chirurgie wird weiter ausgebaut. Die Neurologische Klinik mit einer Stroke Unit, eine inzwischen feste Determinante und die Innere Medizin. Dann sind die Belegabteilungen HNO eine ideale Ergänzung zur MKG und die Gynäkologie und Geburtshilfe weiterhin ein wichtiges Standbein für das EvK Hattingen.

Auch wenn die Geburtenraten zurückgehen haben wir uns entschlossen, nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen die Geburtshilfe aufrechtzuerhalten und weiter auszubauen. Für Hattingen sind wir die einzige geburtshilfliche Station. Zwar gibt es im Umfeld eine ganze Reihe von Einrichtungen jedoch halten wir es für wichtig, dass man auch in Hattingen geboren werden kann. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass die Belegärzte, die diese Abteilung, insbesondere die Geburtshilfe, tragen, weiterhin ihre Unterstützung gegeben haben. Es wäre schade, wenn wir nur noch die gynäkologische Chirurgie vorhalten könnten. Insoweit hoffen wir für das Jahr 2007 auf viele Neugeborene am EvK Hattingen.

Wir mir bekannt, hat Hattingen einen Hochzeitswald, in dem zumindest die Paare, die sich in Hattingen verheiraten lassen, einen Baum pflanzen können. Ich habe das persönlich auch getan und würde in diesem Zusammenhang vorschlagen bzw. bei der Stadt Hattingen anfragen, ob es auch einen Geburtshain geben könnte. Wir würden dann im Jahr 2007 an die jungen Eltern 10 Bäume verlosen und bei den anderen, soweit sie einen Baum pflanzen möchten, diese Aktion finanziell großzügig mit unterstützen.

Das EvK Hattingen ist Teil der Ev. Stiftung Augusta. Diese geht weitere Kooperationen ein. Seit geraumer Zeit besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Ev. Krankenhausgemeinschaft Herne mit den dortigen Häusern in Herne und Castrop-Rauxel. Hier ist auch mittelfristig davon auszugehen, dass es zu einer sehr engen Verbindung zwischen den Einrichtungen kommen wird. Dies wird nicht das Ende sein. Sicher ist Größe nicht alles, aber sie bietet, wie wir auch in schwierigen Zeiten in Hattingen gesehen haben, doch eine Absicherung. Erst eine gewisse Größe erlaubt es, Kernkompetenzen und Inhalte vorzuhalten und als adäquater Gesprächs- und Vertragspartner gegenüber Politik und Krankenkassen aufzutreten.

Für Rückfragen und sonstige Auskünfte stehe ich weiterhin gern zur Verfügung

Mit freundlichen Grüßen

Ulrich Froese
Geschäftsführer