"Schatzkammer im Hirn"

Mitte - Die Kapelle der Augusta-Krankenanstalt ist völlig überfüllt. Über 160 Besucher drängen in den Raum hinein, um der Diskussion zuzuhören.
Sind Nahtoderfahrungen ein Beweis für das Jenseits oder verwirrte Hirngespinste? Darüber redete Günter Ewald - (Foto), pensionierter Professor für Mathematik an der Ruhr-Universität Bochum und Mitglied des Netzwerks Nahtoderfahrung, am Dienstagabend mit Betroffenen, Seelsorgern und Ärzten.
Eine ältere Dame aus dem Publikum schildert ihre Erlebnisse. "Ich ging durch einen tiefschwarzen Tunnel auf ein gleißendes Licht zu", sagte sie. "Dort sah ich meine Großeltern. Ohne tatsächlich zu reden, sagte ich ihnen, dass ich zurück müsste, zu meinem Neugeborenen." Diese Ereignisse kurz nach der Geburt ihres Sohnes haben sie seit mehr als 50 Jahren nicht losgelassen.
Für Betroffene ist klar, Nahtoderfahrungen weisen auf ein Leben nach dem Leben hin. Auch Günter Ewald ist davon überzeugt, obwohl er selbst noch kein persönliches Nahtoderlebnis hatte. Die Schilderungen seien keine Halluzinationen, sondern ließen vielmehr auf eine "Schatzkammer im Hirn" schließen. "Alles, was unser Ich ausmacht, die unsterbliche Seele, wird hier aufgehoben". Der Nahtod stößt die Tür zu dieser Schatzkammer auf und gibt den Blick frei auf eine Wirklichkeit, die die Wissenschaft nicht erklären kann.
Um ansatzweise zu begreifen, was im Bewusstsein geschieht, wenn der Geist scheinbar den Körper verlässt, muss man sich auf außersinnliche Phänomene und spirituelle, religiöse Interpretationen einlassen, betont Günter Ewald. Medizinern und Wissenschaftlern falle es oft schwer, die Wahrnehmungen ernst zu nehmen. Das Netzwerk Nahtoderfahrung macht deutlich, dass gerade die Zusammenarbeit zwischen Betroffenen und Ärzten wichtig sei, um die Erfahrungen zu verarbeiten. Denn für Ewald ist der Tod "nicht nur das biologische Verenden, sondern ein Heiligtum. Nahtoderfahrungen sind die Vorhöfe zu diesem Heiligtum." - Nina Plonka
Donnerstag, 30. März 2006 | Quelle: Ruhr Nachrichten (Bochum)