Eine Diamanthochzeit der ganz besonderen Art feierten Lieselotte und Kurt Dabow am gestrigen Donnerstag, 4. Mai, in der Kapelle der Augusta-Kranken-Anstalt. In dieser Kapelle ist das Jubelpaar exakt vor 60 Jahren von Pfarrer Zipp getraut worden, weil die Friedenskirche – wie alle anderen evangelischen Kirchen in der Bochumer Innenstadt - völlig zerstört war.
Für die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des kleinen aber feinen Gotteshauses hatten Pfarrer Hartwig Burgdörfer und sein katholischer Kollege Heinrich Henkst Anfang des Jahres Paare gesucht, die 1946 hier getraut wurden – außerdem Konfirmanden und Täuflinge aus dieser Zeit. Die Dabows freuen sich, nun auch ihre Jubelhochzeit im Augusta feiern zu können.
Wie 1946 hatte die Braut einen kleinen Strauß von weißem Flieder dabei. Teile des Brautstraußes von damals kann man übrigens immer noch in der kleinen Ausstellung zur Geschichte der Kapelle bewundern: Sie ist im Eingangsbereich des Augusta aufgebaut.

Zusatzinfos – bei Bedarf und Freude an der Sache:

Bei Kurts erstem und einzigem Heimaturlaub vor der Verlobung hatte Lieselotte am Bahnhof mit einem Foto in der Hand erst einmal suchen müssen, wer denn wohl Ihr Zukünftiger sein könnte. Aber am 4. Mai 1944 wurde Verlobung gefeiert - und Kurt konnte in Holland, mitten im Krieg, sogar goldene Ringe besorgen.
Lieselottes Brautkleid war zwei Jahre später dann aus weißer Seide. Ein Schwager hatte bei den Bezugsscheinen etwas dazugemogelt, die Tante hatte genäht. Kurt hatte an der Marine-Ausgehuniform die goldenen Knöpfe durch schwarze ersetzt - und schon war es ein Hochzeitsanzug.
Und weil die Mutter nach Bielefeld zum Hamstern gefahren war, konnte das Paar seinen großen Tag mit Erbsensuppe und Streuselkuchen feiern. Sogar eine Flasche Schnaps und Tabak ließen sich organisieren. Das waren alles echte Schätze, an die normalerweise damals kaum zu denken war. Nach der Trauung in der Augusta-Kapelle war die ganze Gesellschaft mit der Straßenbahn nach Gerthe gefahren, wo die älteste Schwester eine Zwei-Zimmer-Wohnung hatte. Und da wurde dann gefeiert, bis alle im Sitzen einschliefen, weil die Straßenbahn erst wieder am Morgen zurückfuhr.

"Was war eigentlich wichtig in den 60 Jahren Ihrer Ehe?" hatte Krankenhaus-Seelsorger Hartwig Burgdörfer in den Vorgesprächen gefragt. Da war von den Kindern die Rede, auch von den beiden Enkeln, von der Arbeit: Kurt Dabow hatte in Cottbus Maschinenschlosser gelernt, war für den Bergbau ins Ruhrgebiet gekommen – und landete schließlich bei der Bahn.
Mit Eltern und Bruder musste man zunächst in der Waschküche eines ausgebombten Hauses zurecht kommen. Nach der Dachwohnung in Eppendorf kam eine Wohnung mit Garten, mit Obst, Gemüse und Hühnern. Schließlich landeten die Eheleute in der Hunscheidtstraße, wo Sie jetzt noch wohnen.
Ein zufriedener Kurt Dabow spricht von "einem Herrgott, der das vielleicht alles steuert". Da hatte Burgdörfer gar nichts einzuwenden. Aber natürlich haben beide Eheleute kräftig mitgearbeitet, dass sie heute sagen können: "Wir haben immer eine gute Ehe geführt."