Mammographie-Screening startet etwa Anfang Oktober

Die Vorbereitungen für die anstehende Zertifizierung haben rund zwei Jahre gedauert. Jetzt ist sie beinahe abgeschlossen – und die Mammographie-Screening-Einheit für Bochum, Wattenscheid und Hattingen in der Radiologischen Gemeinschaftspraxis Rechener Straße 4a wird Anfang Oktober ihren Betrieb aufnehmen. Alle 45.000 Frauen der Region im Alter von 50 bis 69 Jahren werden – beginnend mit den jüngsten - nach und nach persönlich angeschrieben und eingeladen.
Mammographie-Screening – das ist eine Röntgen-Reihenuntersuchung der Brust. "So wie in den 50er Jahren die Röntgen-Reihenuntersuchung der Lunge zur Tuberkuloseeindämmung", erläutert Dr. Roland Kindinger, der Programmverantwortliche Arzt für die Screening-Einheit in Bochum, "und sie soll der Optimierung der Früherkennung dienen." Dass zunächst die 50jährigen einbestellt werden sollen, hat einen Grund. "Diese Frauen haben noch ein sehr dichtes Brustdrüsengewebe", so Priv.-Doz. Dr. Gabriele Bonatz, Chefärztin der Frauenklinik mit Brustzentrum der Augusta-Kranken-Anstalt. "Frühe Kontrolle ermöglicht es uns, Frühkarzinome rechtzeitig zu erkennen."
Das Screening soll bis Ende 2006 in Westfalen flächendeckend eingeführt sein. Kurz vor dem Start in Bochum, Hattingen und Wattenscheid informiert deshalb das kooperative Brustzentrum Augusta (Bochum/Hattingen) in Kooperation mit der Radiologischen Gemeinschaftspraxis Rechener Straße am 9. September die einweisenden Ärzte in einer von der Ärztekammer zertifizierten Veranstaltung in der Aula der Augusta-Krankenpflegeschule an der Bergstraße. Ab 13.15 Uhr können sich dort aber auch interessierte Frauen informieren.
Die Ärzte als Verfechter der Früherkennung sollen den Frauen nahe bringen, dass Screening notwenig ist. Aktuelle Statistiken zeigen nämlich, dass die Zahl der Brustkrebs-Neuerkrankungen bundesweit pro Jahr auf 53.000 gestiegen ist.
"Wir müssen etwas tun", sagt Dr. Kindinger, "und eine hohe Beteiligung an der Reihenuntersuchung, zu der alle zwei Jahre eingeladen wird, kann helfen, die Sterblichkeit zu senken."
Die jeweils persönlich zur Untersuchung eingeladenen Frauen kommen in eine spezialisierte, neu eingerichtete, fachärztlich geleitete Praxis – mit der Besonderheit, dass am Tag der Untersuchung dort ausschließlich modernste, digitale Mammographien gemacht werden, die später von mindestens zwei Fachärzten begutachtet werden. Deren Urteil und insbesondere abweichende Untersuchungsresultate werden durch einen weiteren spezialisierten Facharzt kontrolliert und abschließend bewertet. Ergebnisse gibt es deshalb nicht direkt nach der Untersuchung, sondern mit mehrfach kontrollierter Sicherheit einige Tage später in Schriftform.

Wichtig ist, so Dr. Bonatz und Dr. Kindinger, dass sich die Frauen sich in der Screening-Einheit wohlfühlen, eine angenehme Umgebung vorfinden. Lediglich der sperrige Begriff "Screening-Einheit" mag da eine kleine Hürde aufbauen

Die Frauen sind schließlich nicht krank, also keine Patientinnen. Deshalb findet auch kein Arzt-Patienten-Gespräch statt. Die Frauen mit unauffälligen Mammographien bekommen einen Brief, dass alles in Ordnung ist und dem Hinweis auf die nächste Reihenuntersuchung in zwei Jahren.
Frauen mit auffälligen Befunden werden erneut zur Abklärung einbestellt.

"Screening hat nur dann Bestand", so Dr. Kindinger, "wenn es zum Leben gehört", wenn man erkannt habe, dass es lohne, hinzugehen. So wie Frau Meier und die Nachbarin.

Insgesamt 89 Mammographie-Einheiten sind bis Ende 2007 in ganz Deutschland geplant. Jede dieser Einheiten unterliegt einer Qualitätskontrolle und umfasst einen festgelegten Einzugsbereich von ca. 800.000 bis 1 Mio. Einwohnern. (esa)