Sie sprechen nicht darüber, weil es ihnen peinlich ist. Dabei leiden bundesweit etwa fünf Millionen Frauen vorübergehend (z.B. nach Geburten) oder dauerhaft an Harninkontinenz. Aus Scham werden oft einfache therapeutische Maßnahmen versäumt und Möglichkeiten der Vorbeugung ignoriert.
Die Frauenklinik der Augusta-Kranken-Anstalt will in enger Kooperation mit der Urologischen Klinik den Teufelskreis aufbrechen: Chefärztin Priv. Doz. Dr. Gabriele Bonatz lädt interessierte und betroffene Frauen am Freitag, 4. November, 15 bis 17.30 Uhr, zu einer Info-Veranstaltung in die Aula der Krankenpflegeschule (Bergstraße 26) ein. Thema "Wenn die Blase nicht mehr hält".

"Die meisten Betroffenen", erzählt Oberärztin Dr. Luljeta Korca, "reden erst über ihr Problem, wenn man ganz konkret nachfragt." Dabei können Ärzte es schon früh erkennen und z.B. durch Elektrostimulation des Beckenbodens gut in den Griff bekommen. "Die Stärkung des Beckenbodens durch Gymnastik", erklärt Prof. Dr. Jörg Schüller, Chef der Urologie, "kann schon sehr helfen."
Die Vortragenden werden am Info-Tag verständlich die Anatomie des Beckenbodens und die diagnostischen Möglichkeiten bei einer Harninkontinenz oder Beckenboden-Senkung erklären. Sehr oft können konservative Behandlungsmethoden (ohne Operation) helfen, die in enger Kooperation zwischen Klinik und Haus-/Frauenärztin/-arzt abgestimmt werden sollten. Eine Operation ist erst dann eine Lösung, wenn sie unvermeidbar ist.
Über Vorbeugung spricht Dr. Annett Gauruder-Burmester, die stellvertretende Leiterin des Deutschen Beckenbodenzentrums (Berlin).

Die Frauenklinik des Augusta bietet schon seit längerer Zeit Sprechstunden zu diesem Problemkreis an. Das Angebot soll aber weiter ausgebaut und neben Gynäkologen und Urologen auch noch Proktologen und Neurologen eingebunden werden.

Damit auch die niedergelassenen Ärztinnen/Ärzte einbezogen werden, gibt es am Samstag, 5. November (10.00–14.00) an gleicher Stelle auch eine Veranstaltung für Mediziner. Es geht um die frühe Erkennung sowie eine optimale Kooperation von Klinik und Praxis im Sinne der Patientinnen. U.a. wird die Berliner Physiotherapeutin Sonja Soeder darüber sprechen, welch wichtige Rolle ihr Berufszweig im Therapiekonzept spielt.