Dr. Alfred Klassen
hilft im Südsudan

Diesmal geht es über Uganda in den Südsudan. Für 10 Tage. Ich begleite ein paar Leute aus den USA und Deutschland, die Gemeinden besuchen und vielleicht eine Krankenstation aufbauen wollen. Am Flughafen ist niemand, aber man will sich im "Airportviewhotel" (sehr passender Name) treffen, um dann mit einem Auto ungefähr 10 Stunden in den Norden an die Grenze zu fahren. Nach mir kommen jetzt die Amerikaner, die alle russisch sprechen: aus einer slawischen Gemeinde in Sacramento, Kalifornien. Die haben noch den Transatlantikflug in den Knochen. Ein Bauunternehmer, seine Tochter, ihr Mann, ein Pastor, ein orthodoxer Bischof aus Moskau. Sie erzählen von Projekten in Thailand, Usbekistan und Kenia, bei denen sie schon mitgearbeitet haben. Jetzt sind sie Feuer und Flamme, neben ihren Verpflichtungen zu Hause und ihren bisherigen Stellen auch noch im Südsudan etwas aufzubauen. Vielleicht kommen noch ein paar mehr, so dass wir wohl doch neun oder zehn Personen sein werden. Da passt doch die Losung von heute: " Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen. (Psalm 34,3)

Der südsudanesischen Pastor, der in der Gegend von Kajo-Keji eine weit verbreitete Arbeit macht, kommt uns abholen. Es ist nicht einfach, in einem Land mit Bürgerkrieg längere Projekte zu planen; aber soll man warten, bis wieder alles ruhig ist? Traditionell ist der Südsudan christlich geprägt, das einzige arabisch sprechende christliche Land. Schon irgendwie seltsam.

In Jalimo gibt es schon ein österreichisches Missionskrankenhaus, der "Comboniorden" (der gleiche wie vor einem Jahr in Gidel, Mother of Mercy Hospital) betreibt eine Station. Man muss nicht überall das Rad neu erfinden. In meine Rolle als "Ärztlicher Berater" muss ich noch hineinwachsen. Aber es ist wichtig, die verschiedenen Kontakte zu machen; längerfristige Kooperationen anzustreben, Versorgungen sicherzustellen. Es ist die Aufbruchstimmung, die mich elektrisiert. Nach den Trumpschen Regenwolken auch mal was Gutes aus dem fernen Westen. Da will ich mitmachen.

In meiner Heimat in Paraguay feiert man heute die Befreiung von der Diktatur Strossners (3.2.89), der fast 35 Jahre das Land regierte. Das ist jetzt auch schon wieder 28 Jahre her. Es hat sich einiges getan in Paraguay, aber nicht alles ist besser geworden. 

Ich weiß nicht, wann ich das nächste Mal Internetzugang habe. Morgen werden wir ein paar Flüchtlingslager besuchen. Ich weiß jetzt schon, wie ich mich dabei fühlen werde: elend! Es schnürt einem das Herz ab, wenn die Leute wie immer ohne Hoffnung und ohne Perspektive dahinvegetieren sieht. Daran gewöhnt man sich nicht. Und das ist gut so.

Liebe Grüße aus Uganda,
A. Klassen

Entebbe, den 3.2.17

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