Und wieder ist Mord

„Een richtige, ümbröchte Liek in Bagsbüll“ – zu deutsch: eine richtige, umgebrachte Leiche – wird im nordfriesischen Bagsbüll auf dem Deich gefunden. Bodo und Hinnerk, die Ortspolizisten aus dem nahen Treenemünde, haben in all ihren Dienstjahren nie mit einem Mordopfer zu tun gehabt. Dass sich dies nun ändert, dafür sorgt Annelie Wiefel. Die Assistentin der Geschäftsführung in den Bochumer Augusta Kliniken ist unter die Krimi-Autoren gegangen und hat sich all diese knorrigen Charaktere ausgedacht.

Die Geschichte spielt Ende September 1973 und die Tote ist Dörte Feddersen, Grundschullehrerin und Mutter dreier Kinder. Während der Ehemann der Toten nicht vernehmungsfähig im Krankenhaus liegt, gerät auch der Schuldirektor, ein aus dem Sauerland zugereister Eigenbrötler und Vogelliebhaber, in Verdacht.

Aus den zunächst irritierend wirkenden, mit vorwiegend plattdeutschen Sätzen gespickten ersten Seiten entwickelt sich eine äußerst unterhaltsame Geschichte, in die immer wieder das „Platt“ der beiden Dorfpolizisten Hinnerk und Bodo einfließt, an das sich der Leser aber schnell gewöhnt. Die gebürtige Lübeckerin spielt perfekt mit der Mundart, die sie aus ihrer Kindheit kennt.

Für all jene, die dabei nur „Bahnhof“ verstehen, so die Autorin, „ist im Buch auch ein kleines Niederdeutsches Wörterbuch enthalten.“ Man lernt, dass mit „afslaten“ abgeschlossen gemeint ist, dass „duun“ betrunken und „Goorn“ Garten bedeutet. Und „Tüügen“, so weiß der Leser bald, sind Zeugen.

Wie kommt eine im Umgang mit harten Fakten versierte und zahlengestählte Volkswirtin dazu, plötzlich phantasievolle Geschichten zu schreiben? „Das steht in mir drin“, sagt die 52jährige Lünerin lachend. „Ich schreibe das doch nur noch auf. Die Geschichten sind praktisch ein Teil von mir.“

Und das geht schon länger so. „Meinen ersten Roman“, sagt die Mutter zweier erwachsener Söhne, „habe ich schon 1997 beendet.“ „Der blaue Mond“, ein Jugendroman blieb allerdings unveröffentlicht. Das gilt für „Und wieder ist Mord“ glücklicherweise nicht. Das Buch ist in der edition fischer erschienen und liegt auch als e-Book vor.

„Genau genommen“, ergänzt Wiefel, „ist dieses Buch ein Versuchsballon. Ich habe schon zwei weitere Folgen dieser Krimireihe fertig.“ „Thor´s Hafen“ heißt die erste Fortsetzung. Für die dritte Folge der Serie hat die Autorin, die selbst gern reist und liest und sich für Astronomie interessiert, noch keinen Titel gefunden.

So müssen also alle, die gerade mit Bodo, Hinnerk und Kriminalkommissarin Anne Kogler auf die Suche nach Motiv und Mörder gegangen sind, noch etwas auf „neuen Stoff“ warten. Wer das aktuelle Werk liest, das darf verraten werden, wird sich am Ende wundern: Annelie Wiefels Erstlingswerk liefert eine echte Überraschung.

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