Gretas Mapapu ist ein Bochumer Junge
Palliativnetz Bochum hilft Kindern nach Todesfall

Greta war gerade im Urlaub. Eine heitere, unbeschwerte Zeit sollte es werden. Stattdessen schlug nach wenigen Tagen eine schlimme Nachricht wie eine Bombe in ihrem jungen Leben ein: Der Vater der Elfjährigen war überraschend an den Folgen einer Operation gestorben. Ihr Kummer war riesengroß, und tiefe Trauer lähmte nicht nur das Kind, sondern auch die Mutter, die Großeltern und große Teile des Freundeskreises. „Ich war zeitweise völlig überfordert“, gesteht Mutter Leonie, „und war froh, dass eine speziell geschulte Trauertherapeutin des Palliativnetz Bochum e.V. meine Tochter und mich an die Hand genommen hat.“

Leonie arbeitet in leitender Funktion in einem Pflegedienst, gehört also zu den Profis im Umgang mit Krankheit und Tod. „Ich helfe den Menschen und spreche auch oft schwierige Themen an“, sagt sie. "Aber jetzt ging es um mich persönlich und ich war regelrecht gelähmt.“ Kurz vor dem Tod ihres Mannes hatte sie noch an seinem Bett gestanden und mit ihm gesprochen. Nun war der allererste Gedanke: "Wie sage ich das bloß meiner Tochter? Wie bringe ich es ihr so schonend wie möglich bei?“

Dass Kinder mit dem Tod anders umgehen als Erwachsene, lernt Leonie von der Trauertherapeutin. „Manche von Gretas Reaktionen waren mir völlig unverständlich, und ich war froh, dass mir jemand erklärte, was da gerade mit meiner Tochter geschieht und uns bei der Trauerarbeit half.“ Und nicht nur das. „In dieser Situation benötigt man einen Menschen, der einfach da ist“, sagt Leonie, „der Möglichkeiten aufzeigt oder auch einfach Dinge erledigt, die man in seiner tiefen Trauer selbst nicht schaffen kann.“

Greta war z.B. angetan von dem Therapeuten-Vorschlag, ihrem Vater einen letzten Brief zu schreiben und den Sarg zu bemalen. „Ich selbst fand das höchst befremdlich“, erinnert sich Mutter Leonie, „aber es gibt Bilder meiner malenden Tochter, die - es ist kaum zu glauben – ein konzentriertes und zufriedenes Kind zeigen.“ Greta wurde in das Geschehen einbezogen, erklärt die Therapeutin des Palliativnetzes. „Sie durfte mit entscheiden und war auf diese Weise ein wichtiger Teil des Trauer-Teams.“

Für ihre ganz persönliche Trauerarbeit hat Greta jetzt immer und überall den Mapapu dabei, eine Mama-Papa-Puppe, die ganz individuell nur für sie aus einem T-Shirt ihres Vaters gefertigt wurde. Papa war Anhänger des VfL Bochum und auch Greta liebt und spielt selbst Fußball. Deshalb ist der Mapapu blau-weiß – und trägt des VfL-Logo auf seiner Brust. Gretas Freundinnen kennen und lieben alle diesen hübschen Kerl, den es nur ein einziges Mal gibt. Und es ist dann immer ein bisschen so, als würde Greta als Trost einen Teil ihres Vaters bei sich tragen.

Das Palliativnetz Bochum e. V. hat sich vorgenommen, die Betreuung von Kindern, deren Eltern im Sterben liegen oder gerade gestorben sind, menschlicher zu gestalten und ihnen und ihren Angehörigen zu helfen, mit ihrem großen Verlust fertig zu werden. Ziel ist es, ein ganzes Team von liebevollen, professionellen Helfern zusammenzustellen, das sich sozial, psychologisch und seelsorgerisch um die Belange der trauernden Kinder kümmert. Der Einsatz einer professionellen Trauertherapeutin, die Anfertigung des MaPaPu - all das wird durch Spenden der Bochumer Bevölkerung finanziert.

Konto Palliativnetz Bochum e.V.
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