EvK nimmt Ängste vor Klinik-Keimen

Auf einer Infoveranstaltung des städtischen Seniorentreffs Kick Hattingen erläuterten Mitarbeiter des Evangelischen Krankenhauses Hattingen (EvK) vielen interessierten Zuhörern die richtigen Maßnahmen gegen Keime und Bakterien.

Zunächst gab Alen Males, Hygienefachkraft der Augusta-Stiftung, allgemeine Informationen und überraschte viele mit der Info, dass jeder Mensch aufgrund der natürlichen Besiedlung sowieso zirka zwei Kilogramm Keime und Bakterien am und im Körper hat. „Wenn dann harmlose Bakterien in die falschen Körperbereiche gelangen“, so der Fachmann, „entstehen Krankheiten. Studien haben gezeigt, dass zwei Drittel der Keime von Patienten selbst mit in die Krankenhäuser gebracht werden. Davon sind etwa 25 bis 30 Prozent der Erreger resistent gegen herkömmliche Antibiotika. Dies sind die viel diskutieren MRSA-Erreger.“

Daher werden im EvK Risikopatienten grundsätzlich bei der Aufnahme mit einem MRSA-Screening nach Richtlinien des Robert-Koch-Instituts (RKI) untersucht. Ein groß angelegter Test in NRW, in dem jeder aufgenommene Patient auf MRSA untersucht wurde, ergab, dass etwa jeder hundertste Patient von MRSA-Erregern betroffen ist. Eine weitere Studie zeigte 2010 für Deutschland die niedrigste Ansteckung in Krankenhäuser weltweit.

Die Hauptübertragung der Keime erfolgt dabei durch die Hände, daher ist diebrichtige und intensive Händehygiene (mindestens 30 Sekunden) sehr wichtig. Natürlich ist auch die Einhaltung von allgemeinen Hygienevorschriften zum Beispiel durch Flächendesinfektion, Schutzkleidung und den richtigen Umgang mit Medizinprodukten wichtig. Kernziel ist immer die Vermeidung der Keimverbreitung.

Das EvK hat dazu eine eigene  Hygienekommission, die die RKI-Richtlinien und viele andere Vorschriften und Erkenntnisse umsetzt. Diese wird zum von externen Ämtern wie Gesundheitsamt, Bezirksregierung und Veterinäramt unterstützt und überwacht. Auch unangemeldet.

Anschließend moderierte Manfred Berger, Organisator der Veranstaltung, die vielen kritischen Fragen der Zuhörer für die Krankenhaus-Experten Prof. Dr. Andreas Tromm, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Dr. Gerhard Schlosser, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Vorsitzender der Hygienekommission sowie Marcus Fritz vom Pflegemanagement.

Dabei wurde deutlich, dass der Mensch die Besiedelung des Körpers mit kritischen Organismen nicht verhindern kann.. „Meist merken wir gar nicht, das wir betroffen sind, weil wir nichts sehen“, so Tromm. „Erst wenn es zu Erkrankungen wie Brechdurchfall kommt, wissen wir, dass wir uns ernstlich infiziert haben. Deshalb gebe ich bei meinen Visiten den Patienten nicht mehr die Hand und vermeide so eine Übertragungen von Patient zu Patient.“

Bekannte MRSA-Träger werden vor einer planbaren Operation z.B. mit speziellen Duschmitteln behandelt. Im Krankenhaus selbst werden Instrumente und OP-Säle nach Behandlung von MRSA-Patienten besonders aufbereitet. „Patienten werden vor und nach der OP isoliert, sogar auf der Intensivstation.“, so Chefarzt Schlosser. Das Personal schützt sich selber und um eine Übertragung zu vermeiden z.B. durch besondere Kittel, Mundschutz und Hauben.

Auswirkungen der MRSA-Erreger sind zum Beispiel Blutvergiftung, Lungenentzündung und Abszessbildung, je nachdem, wo sich die Erreger einnisten. Da erst ein spezielles Antibiotikum gefunden werden muss, auf das der Erreger anspricht, ist dadurch oft ein längerer Krankenhausaufenthalt notwendig. Generell ist die Erkrankung jedoch heilbar. „Daher ist Krankenhaushygiene im EvK ein wichtiger Baustein“, so Pflegemanager Fritz. „Im Mittelpunkt steht immer das Patientenwohl.“

Einig waren sich alle Beteiligen, dass die Gesellschaft zum MRSA-Problem durch die  Massentierhaltung und deren Antibiotikamissbrauch beiträgt. Leider werden Antibiotika schon bei kleinen Erkältungen verabreicht. Das führt zu Problemen mit Resistenzen bei allen Bakterien.  JP