Anonyme Spurensicherung hilft bei Sexualstraftaten

Die anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftaten (ASS) ist wieder ein heißes Thema in Bochum: Bei einer Info-Veranstaltung des Interdisziplinären Arbeitskreises gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen ging es in der Aula des Institutsgebäudes der Augusta Kliniken darum, Vertretern sozialer und medizinischer Einrichtungen, sowie Kinder- und Frauenärzten der Region das sensible Thema nahezubringen.

Peter Kraft, der Kinderschutzbeauftragte der Stadt Bochum, hatte einige Experten zusammengetrommelt, um die Menschen „an der medizinischen Front“ kompetent und auf den Punkt zu informieren. Kraft freute sich, dass er in der Augusta Klinik Unterstützung gefunden hatte – und finanzielle Förderung von den Bochumer Zahnärzten, die das von den Patienten gespendete Zahngold investierten, um dafür das Instrumentarium zu sponsern, das notwendig ist für die anonyme Spurenerfassung.

„Der psychische Druck für Opfer von Sexualstraftaten ist immens hoch. Nicht selten gibt es massive Drohungen des Täters, damit das Opfer keine Anzeige erstattet“, erklärt PD Dr. Gabriele Bonatz, Chefärztin der Augusta-Frauenklinik. Aus Angst und aus Scham trauen sich Opfer dann nicht, direkt nach der Tat eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Dabei ist es gerade zu diesem Zeitpunkt möglich, wichtige Beweise zur Überführung des Täters zu sichern. Um diese Zwangssituation zu beseitigen, entwickelte der interdisziplinäre Arbeitskreis schon vor Jahren ein System der anonymen Spurensicherung. Peter Kraft: „Wir haben einige Jahre verschlafen, aber jetzt wollen wir das Konzept vermehrt in die Öffentlichkeit tragen.“

Betroffene Frauen, Jugendliche und Kinder können nach der Tat Krankenhäuser, Gynäkologen oder Kinderärzte unserer Region aufsuchen, um sich nicht nur ärztlich behandeln zu lassen, sondern auch, um die Spuren der Gewalttat zu dokumentieren und zu sichern. Diese Beweise werden dann anonym in Essen, beim Institut für Rechtsmedizin codiert gelagert, bis das Opfer der Gewalttat sich zu einer Anzeige entschließen kann. Die eingelagerten Spuren können dann als wichtiges oder vielleicht auch als einziges Beweismittel dienen.

Im Interdisziplinären Arbeitskreis gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendliche arbeiten viele Fachkräfte der öffentlichen und freien Träger der Jugendhilfe, der Polizei, Staatsanwaltschaft, Kliniken, RechtsanwältInnen, VerfahrenspflegerInnen und der Fachberatungsstellen mit. Ziel ist es, Verfahrensweisen zu entwickeln, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu verbessern und strafrechtliche Verfahren optimal aufeinander abzustimmen. Dieser Arbeitskreis tagt regelmäßig schon seit 1998.