EvK-Experten unterstützen 12. Hattinger Gesundheitstag

Große Unterstützung durch Chef- und Fachärzte des Evangelischen Krankenhauses Hattingen (EvK) gab es auch in diesem Jahr beim Hattinger Gesundheitstag: Vor zumeist vollen Sälen referierten sie zu vielen ihrer Spezialthemen und beantworteten den Besuchern viele Fragen.

Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch eröffnete zusammen mit Dr. Helfried Waleczek, Chefarzt der Klinik für Chirurgie, den Informationstag, der in diesem Jahr unter dem Motto „Medizin in Hattingen“ stand. Beide luden Bürgerinnen und Bürger dazu ein, sich an den Ständen und bei den Vorträgen zu informieren. Dr. Waleczek scherzte sogar und meinte: „Fragen sie uns ruhig Löcher in den Bauch. Die vielen Chirurgen hier machen die schon wieder zu.“

So zeigte Dr. Karl Schuhmann, Chefarzt der Klinik für Plastische/Ästhetische Chirurgie, anhand umfassender Fallbeispiele welche Behandlungsmöglichkeiten es bei schwer verheilenden Wunden gibt. „Egal, ob man konservativ oder operativ behandelt: Immer ist die parallele Behandlung der eigentlichen Grunderkrankung wichtig. Auch die Nachbehandlung ist entscheidend für eine langfristige Heilung.“

Dr. Helfried Waleczek erklärte in seinem Vortrag, was - wann - wie und wirklich bei Adipositas wirkt und betonte, dass mit diesem Begriff ein Gewicht bei einem BMI (Body Mass Index) von über 30 gemeint ist. Neben falscher beziehungsweise gesunder Ernährung ging er in seinem Vortrag auf die vielen Operationsmöglichkeiten wie Magenverkleinerung, Bypass oder Schlauchmagen ein. Besonders verwies er auch auf das AdipositasZentrum NRW in Bochum-Linden: „Dort bieten wir eine Reihe auch konventioneller Methoden zur Gewichtsabnahme an – und setzen vor allem auf schonende Methoden wie zum Beispiel den neuen EndoBarrier.“ Damit könne Patienten mit Diabetes und Adipositas geholfen werden.
Zum Ende unterstrichen zwei Patienten, welch großen Erfolg sie u.a. im AdipositasZentrum NRW mit der konservativen aber auch einer Operation erzielt haben. Stolze 60 und 70 Kilogramm Körpergewicht haben sie abgenommen.

Ärzte aus der Plastischen/Ästhetischen Klink des EvK stellten die operativen Möglichkeiten bei der Behandlung einer verformten Brust dar (Adriana Miron). An Hand von Fallbeispielen erläuterte sie den Einsatz von Brustimplantaten bei der Rekonstruktion nach Krebs, sprach über Gewichtsabnahme und kosmetische Operationen.
EvK-Oberarzt Jesus Ignacio Terurel-Gutierrez referierte zum Thema „Veränderungen im Gesicht“. Mit zahlreichen Bildern unterstrich er die vielen operativen Erfolge bei rechtzeitiger Erkennung von schwarzem (Melanom) und weißem Hautkrebs (Basaliom). Dabei erklärte er die vielfältigen diagnostischen und therapeutischen Verfahren, wie das Entfernen und ästhetische Verschließen von Hauttumoren und Hautdefekten.

Prof. Andreas Tromm, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, stellte in seiner Veranstaltung eine neue, zukunftweisende Methode zum Abnehmen vor, den EndoBarrier: „Dies ist ein endoskopisches Verfahren für die Behandlung der Adipositas und des Diabetes Typ II. Das EvK ist neben Düsseldorf Referenzzentrum für ganz NRW.“ Dabei wird dem Patienten ein weicher und flexibler Teflonschlauch in den Zwölffingerdarm eingeführt und dann im oberen Dünndarm auf eine Länge von circa 60 Zentimeter entfaltet. So wird die Nahrung an dieser Stelle an der Darmwand vorbeigeführt. „Der EndoBarrier kann bewirken, dass Patienten weniger Diabetesmedikamente (zum Beispiel Insulin) einnehmen müssen.“

Auch am Informationsstand der Ambulanten Dienste des EvK Hattingen gab es großen Andrang. Iris Biernath und Marcel Gollbach beantworteten Fragen rund um das Thema „Ambulante Pflege“. Besonders freute sie, dass eine interaktive Mitmachwand auf großes Interesse stieß. Den Satz „Wenn ich Pflege benötige, wäre mir wichtig, dass…“ vervollständigten viele Menschen mit ihren Ideen.

Die abschließende Podiumsdiskussion zum Thema „Patientenrechte in Zeiten knapper Kassen“, moderierte Pfarrer Udo Polenske. Ulrich Laibacher, Lokalchef der WAZ Hattingen, zitierte viele Hattinger Bürger, welche im WAZ-Gespräch die lokale medizinische Versorgung gelobt hatten.

Aber es gab auch Kritik über zum Teil krasse Behandlungsfehler. Dr. Eckhard Kampe von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) hielt entgegen, dass auf etwa 800.000 ambulante Fälle im Jahr nur drei bis fünf Beschwerden kommen. Dies sei ein Zeichen für gute Versorgung.
Oberarzt Dr. Ulrich Kampa vom EvK zeigte auf, dass man bei jedem Fall genau differenzieren müsse, dass es eben leider auch zu Fehlern komme. „Wichtig ist, dass der Patient inzwischen ein Recht auf Einsicht in seine Krankenakte hat.“ Professor Andreas Tromm, Chef der Inneren Klinik am EvK, warf als Zuhörer und Mitglied bei der Gutachterkommission der Ärztekammer ein, dass es oft auch Kommunikationsprobleme gebe.
Dr. Eleftheria Lehmann, Patientenbeauftragte der Landesregierung NRW, berichtete von immer mehr Beschwerden und riet allen Betroffen, mit den Krankenhäusern und den Ärzten zu sprechen.
Beim Thema „Überversorgung“ erzählte Dr. Lehman, dass immer mehr Klagen über sogenannte IGeL-Leistungen eingehen. Der Patient könne die Notwendigkeit solcher Leistungen nicht einschätzen. Karl Erich Reuter verweist als Vertreter der EN-Selbsthilfegruppen in diesem Zusammenhang auf die verschiedenen Gruppierungen, bei denen aufgrund des großen Austausches viele Erfahrungswerte vorliegen.
Zum Schluss konnte KV-Chef Dr. Kampe einer Zuhörerin noch eine positive Nachricht geben. Durch eine neue Richtlinie ihrer Krankenkasse wird sie jetzt wohl doch ein von ihr gewünschtes Medikament bekommen, das bislang von der Kasse nicht finanziert wurde. JP_EF