Wieder kräftig zubeißen nach innovativem Knochenaufbau

Man nehme gemahlenen Rinderknochen, vermenge ihn mit dem eigenen Knochenmark aus der Hüfte – und setze das Ganze in den Ober- oder Unterkiefer ein. Was wie das Rezept für ein sicherlich wenig schmackhaftes Gericht klingt, dient dennoch der Ernährung: In der Zahnklinik der Augusta-Kranken-Anstalt gelingt es mit dieser innovativen Technik, den Kieferknochen so zu erweitern, dass man dort wieder Zahnimplantate verankern kann.

„Kein Knochen, kein Implantat.“ Dieser Satz galt lange in der zahnärztlichen Implantologie, denn schließlich müssen die Implantate, die später „die Dritten“ tragen sollen, irgendwo hineingeschraubt und befestigt werden. Ohne reichlich Knochen im Kiefer war dies bisher nur dann möglich, wenn eigener („autologer“) Knochen, z.B. aus der Hüfte, zum Ober- oder Unterkiefer transplantiert wurde. In der Zahnklinik der Augusta-Kranken-Anstalt geht Prof. Dr. Hans-Peter Jöhren nun ganz andere Wege, die auf den ersten Blick zwar etwas verrückt wirken: Der Zahnmediziner hat allerdings große Erfolge mit dem oben beschriebenen „Mix“.
Die Methode ist keineswegs bizarr oder ins Reich der Fabel zu verweisen. „Wir verwenden hoch reine Extrakte aus gemahlenen Rinderknochen, die wir mit einem Zellextrakt aus dem Knochenmark z.B. aus der Hüfte des Patienten vermengen“, erklärt Prof. Jöhren, der jährlich rund 800 Implantate setzt. „Jede dritte Behandlung ist mit einer sogenannten Augmentation, einer Erweiterung, einem Neu-Aufbau des Kieferknochens verbunden.“
Viele Patienten hat der erfahrene Implantologe bereits mit der neuen Methode behandelt und kann feststellen, „dass dies eine sowohl verträgliche als auch Erfolg versprechende Technik ist, den Kieferknochen so zu erweitern, dass man dort Implantate verankern kann.“ Mehr als 50 Zahnärzte aus der Region hatten großes Interesse an einer Fortbildung zu diesem Thema in der Augusta Zahnklinik. „Das Verfahren stammt aus der Traumatologie“, erklärt Onkologe Michael Brandt, der als Oberarzt auf der operativen Seite im Augusta mit der Zahnklinik zusammenarbeitet. „Es wird an nur ganz wenigen Zentren in Deutschland auch in der Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie angewendet.“
Zu dieser neuen Augmentationstechnik gibt es bereits 39 Studien, die allesamt Gutes verheißen für jene Menschen, die jahrelang herausnehmbaren Zahnersatz getragen haben. „Der Knochen bildet sich bei diesen Patienten immer weiter zurück“, so Prof. Jöhren. „Wir können ihn mit der neuen Methode jetzt ohne die Entnahme von großen Knochenblöcken wieder aufbauen. Die Methode ist schonender und der Eingriff ist häufig ohne stationären Aufenthalt möglich“.