Ambulante Pflegedienste protestieren
vor dem Bochumer Rathaus 

Die ambulanten Pflegedienste sind von den Krankenkassen unterfinanziert. Dies gefährdet die Versorgung, belastet die Pflegekräfte und lässt zu wenig Zeit für die betreuten Menschen. Die Stadt Bochum sieht dadurch ihre Quartiersentwicklung gefährdet, bei der ambulante Pflege ein wesentlicher Bestandteil ist. Das waren die Kernbotschaften, die am Donnerstagmittag bei einer spontanen  Protestaktion vor dem Rathaus zu hören waren.

Dort hatten sich viele Bochumer Pflegedienste mit ihren Autos versammelt, um im Rahmen der landesweiten Initiative „Hilfe! Mehr Zeit für Pflege!“ auf ihre Situation aufmerksam zu machen. „Die Qualität der ambulanten Pflege ist bedroht. Unsere Pflegekräfte können sich für ihre Patientinnen und Patienten kaum mehr die eigentlich nötige Zeit nehmen“, sagte Reinhard Quellmann, Geschäftsführer Altenhilfe bei der Diakonie Ruhr und Sprecher der örtlichen Initiative. Denn während alles andere deutlich teurer geworden ist, haben die Krankenkassen die Vergütungssätze für die ambulante Pflege in den vergangenen zehn Jahren nur minimal erhöht.

„Kostensteigerungen durch höhere Löhne und Sachkosten können von den Pflegediensten schon längst nicht mehr aufgefangen werden“, stellt auch Dr. Thomas Hulisz fest, Leiter der Ambulanten Dienste Augusta, dem größten Pflegedienst der Stadt.  Auch der bürokratische Aufwand verschlinge immer mehr wertvolle Zeit. Der zeitliche Druck auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pflegediensten steige ständig – und das spüren auch die Patientinnen und Patienten. „Um weiterhin gute Arbeit leisten zu können, brauchen die Dienste von den Kassen deutlich mehr Geld. Denn Geld bedeutet hier Zeit – und die zählt für die Menschen“, betonte Quellmann.

„Lebensqualität im Alter ist ohne ambulante Pflege nicht denkbar“, sagte Astrid Platzmann-Scholten. „Ich bin Ärztin und habe selbst Angehörige gepflegt – ich weiß also, wie wichtig diese Arbeit ist“, unterstrich die Bochumer Bürgermeisterin, die auch Vorsitzende des Gesundheitsausschusses ist und gemeinsam mit Sozialdezernentin Britta Anger gekommen war.

Die Fakten, die von der Pressestelle der Diakonie genannt wurden:
Die jüngste Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2011 zeigt, dass zum Jahresende in Bochum insgesamt 12.102 Menschen pflegebedürftig waren, davon wurden 8474 Menschen in der eigenen Häuslichkeit versorgt. Von einem ambulanten Pflegedienst unterstützt wurden 2593 Menschen, wobei hierbei nicht Betroffene berücksichtigt sind, die nur einen vorübergehenden Hilfebedarf haben und/oder vornehmlich Leistungen der Behandlungspflege in Anspruch nehmen. Lebten dem aktuellen Sozialbericht zufolge Ende 2010 in Bochum 100.426 Menschen, die 60 Jahre oder älter waren, bedeutet dies, dass mindestens jeder zehnte Bochumer über 65 einen anerkannten Pflegebedarf hat, die Mehrheit im häuslichen Bereich lebt und ca. ein Drittel dabei von einem ambulanten Pflegedienst unterstützt wird. Dies zeigt die zentrale Bedeutung ambulanter Dienste für die Pflegeinfrastruktur in Bochum.

Den Angaben zufolge arbeiteten Ende 2011 in Bochum bei 44 Pflegediensten insgesamt 1678 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Obwohl diese Dienste und Einrichtungen miteinander im Wettbewerb stehen, wollen sie gemeinsam den Blick auf die Situation in der ambulanten Pflege lenken.  Vor dem Rathaus schilderten verschiedene Mitarbeitende eindrucksvoll Szenen aus ihrem Arbeitsalltag, in denen ihnen oft die Zeit fehlt.

Weitere Informationen zur Initiative „Hilfe! Mehr Zeit für Pflege!“, Hintergründe, Fakten, Materialien sowie eine Übersicht über alle Aktionen vor Ort, finden Sie auf der Website der Initiative der Freien Wohlfahrtspflege NRW: www.hilfe-fuer-pflege.de