Schon 5.000 Bücher aus dem Augusta mitgenommen

Das „öffentliche Bücherregal“ in der Empfangshalle der Augusta Klinik in Bochum-Linden ist eine Erfolgsgeschichte, sagt Dr. Hans-Otto Müller, Vorsitzender des Fördervereins der Gerontopsychiatrie am Augusta. „In Kürze wird das 5.000. Buch unser Regal verlassen.“

Seit 2010 existiert diese Einrichtung , die es allen Besuchern, Patienten und Mitarbeitern der Klinik erlaubt, sich an den Büchern im Regal zu bedienen – also kostenlos zu lesen. Müller, der bis 1998 Chefarzt der Geriatrischen Klinik war, betreut hingebungsvoll dieses ständig wechselnde Literaturangebot, das natürlich von Bücherspenden unterhalten wird.

„Das Regal steht nicht in Konkurrenz zum Buchhandel“, betont der agile 82jährige, „weil wir ja nur gebrauchte, aber gut erhaltene Bücher weitergeben. Dabei erwarten wir nicht, dass das jeweilige Buch zurückgegeben wird“ Man stehe auch nicht im Wettbewerb mit anderen öffentlichen Bücherschränken, wie sie in vielen Städten zu finden seien. „Dort wird erwartet, dass man ein anderes Buch hineinstellt, wenn man eines entnimmt.“

Dr. Olaf Hagen, Chefarzt des Lindener Zentrums für Altersmedizin und Pflege am Augusta, freut sich, dass sein Vor-Vorgänger Dr. Müller sich immer noch so engagiert in die Arbeit am Augusta einbringt. Er weiß, dass ganz viele Besucher immer wieder gerne Bücher mitbringen. „Dank dieser großzügigen Spenden“, so Hans Otto Müller, „lebt unser Projekt fort, das wir u.a. auch mit unserer Seniorengruppe Berg und Tal betreuen.“

Müller weiß, dass es auch noch ein weiteres Konzept gibt, das Büchern „ein Leben über den Bücherschrank hinaus“ ermöglicht. Bookcrossing heißt diese Form der Bücherweitergabe, die engagierte Bookcrosser als „Freilassen“ bezeichnen. Die Leser sollen im Idealfall im Internet
(bookcrossing.com) hinterlassen wo (und vor allem wie) sie das Buch gefunden haben – und auf diese Weise die Reise einen „freigelassenen“ Buches verfolgen.

Wie hatte die „New York Times“ geschrieben: „Wenn du deine Bücher liebst, lass sie frei!“ Genau das machen Sie am Augusta in Linden.
Zwar ohne Internet-„Verfolgung“, aber offenbar mit großem Erfolg.


Dr. Müller zitiert staunend, was Winston S. Churchill (1874-1965) über Bücher gesagt hat:

"Wenn du nicht all deine Bücher lesen kannst, dann nehme sie wenigstens zur Hand, streichle ein wenig über sie, schau' etwas hinein, lasse sie irgendwo auffallen und lese die ersten Sätze, auf die dein Auge fällt, stelle sie selbst auf's Bord zurück, ordne sie nach deinen Vorstellungen so, dass du wenigstens weißt, wo sie sind.
Lass' sie deine Freunde sein; lasse sie auf alle Fälle deine Bekannten sein."

Einmal hineinblättern und kurz „anlesen“: Auch Mitarbeiterin Elke Sutter nimmt sich gern einmal ein Buch mit.