Foto: Mustafa-Yasin Sönmez

Augusta-Chirurgen lehren robotik-assistiertes Operieren

Es ist Bildungstourismus an einem ungewöhnlichen Ort, von dem die Privatdozenten Dr. Benno Mann und Dr. Burkhard Ubrig eine ganze Menge - und das aus Erfahrung - berichten können. Den beiden Chefärzten der Augusta-Kranken-Anstalt schauen nämlich bei ihrer höchst präzisen Arbeit am Menschen regelmäßig wissbegierige Kolleginnen und Kollegen über die Schulter.

Man könnte die Besuche im Augusta natürlich auch als Operationstourismus bezeichnen, denn Dr. Mann ist Chefarzt der Chirurgischen Klinik, während Dr. Ubrig am Augusta die Urologie leitet, die auch zu einem hohen Maß operativ ausgerichtet ist. Die Arbeit der beiden Chefärzte ist für Besucher so interessant, weil an den Augusta Kliniken schon seit über drei Jahren (in dafür geeigneten Fällen) mit dem innovativen daVinci-System operiert wird: robotisch und mit Computertechnik unterstützt - und deshalb mit höchstmöglicher Präzision. Ende März hatten Dr. Mann und sein Team deshalb in Zusammenarbeit mit der US-Herstellerfirma Intuitive Surgical eine ganz spezielle spezielledaVinci-Fortbildung angebo¬ten: Eine Live-Operation, die in den Hörsaal übertragen wurde, bot gut 30 hochmotivierten Teilnehmern die Gelegenheit, sich hautnah über die Möglichkeiten des Systems aus dem Silicon Valley zu informieren. In parallelen Vorträgen wurden die einzelnen Abschnitte der Operation präzise erläutert, die hochauflösenden, scharfen Bilder live kommentiert. Und immer wieder gingen kleine Gruppen zwischendurch in den Operationssaal, um den daVinci auch mit eigenen Augen im Einsatz zu sehen. Die Chirurgen am Augusta haben bereits deutlich über 100 (Unter-)Bauchoperationen durchgeführt und planen, in absehbarer Zeit auch in den Oberbauch zu gehen. „Eingriffe an Magen, Speiseröhre und Bauchspeicheldrüse sind möglich und stehen bis 2014 auf unserem Stufenplan", so Dr. Mann. „Wir hatten wegen unserer großen Erfahrung viele Spezialisten für Bauchchirurgie im Auditorium, aber auch interessierte Gynäkologen", so Chirurg Mustafa Sönmez. „Und es waren sogar Chefärzte da, die kurzfristig den Einstieg in das daVinci-System planen."

Die Nachfrage nach daVinci¬Systemen ist trotz des Preises enorm: Man spricht von den „magischen Händen des da¬Vinci", obwohl der rund 2 Mio. Euro teure OP-Assistent aus Kalifornien natürlich gar keine Hände hat. „Das Gerät ermöglicht dreidimensionales Sehen und zehnfache Ver¬größerung", sagt einer der Fortbildungsteilnehmer, „und ermöglicht deutlich präziseres und schonenderes Arbeiten in engsten Operationsgebieten. Man kombiniert damit die Vorteile der offenen und der minimal-invasiven Chirurgie." Abwinkelbare Instrumente las¬sen sich im Körper mit deutlich mehr Spielraum bewegen, als Handgelenke dies könnten.

Die Bewegungen lassen sich „filtern", also verlangsamen und damit verfeinern für den ultrapräzisen Einsatz der mi¬krofeinen Instrumente. Selbst die bei jedem Menschen vor¬handenen feinen Zitterbewe¬gungen der Hände werden von „daVinci" einfach weggefiltert: Ein OP-Assistent, der dem Operateur wirklich hilft und einen deutlichen Fortschritt zur konventionellen Laparoskopie darstellt.

Namhafte amerikanische Häuser wie das Johns Hop¬kins Hospital oder die Mayo Clinic nutzen die Vorteile für Ärzte und Patienten schon lange. Deutschland und Eu¬ropa hinken nach. Mancher Patient nahm für den daVinci sogar Auslandsreisen in Kauf. „Denn der Patient ist kürzer im Krankenhaus", sagt auch Dr. Ubrig, „hat weniger Schmerzen, weniger Blutverlust, nur kleine Operationsnarben und erholt sich schneller."

In Deutschland stehen übrigens erst 62 daVincis bereit, in Europa ca. 450, während auf der ganzen Welt etwa 2.500 (die meisten in den USA) dieser für Raumfahrt und Militär entwickelten, innovativen Systeme im Einsatz sind. Auch Dr. Manns stark nachgefragte Schulungen, die er bundesweit in anderen Krankenhäusern anbietet, zeigen deutlich: Es gibt enormen Nachholbedarf.