Revolutionäre Therapie gegen Diabetes Typ II und Adipositas

Übergewicht und erhöhter Blutzucker – das ist ein Paar, das kaum zu trennen ist. Eine neue, geradezu revolutionäre Behandlungsmethode im Adipositaszentrum NRW in Bochum-Linden und im Evangelischen Krankenhaus Hattingen (EvK) kann Typ-2-Diabetikern dabei helfen, sowohl ihre Blutzuckerwerte als auch ihr Übergewicht langfristig zu kontrollieren.

Die Methode heißt EndoBarrier – und der Name ist Programm: Durch eine innere Barriere, den sogenannten Magen-Darm-Liner, wird der Darm daran gehindert, Nährstoffe aufzunehmen. Es handelt sich dabei um einen dünnen, weichen und flexiblen Teflon-Schlauch, der endoskopisch in den Zwölffingerdarm eingeführt und dann im oberen Dünndarm auf einer Länge von ca. 60 cm entfaltet wird. Die spezielle Membran verhindert, dass Nahrung an dieser Stelle mit der Darmwand in Berührung kommt und sie verändert die Hormonfreisetzung, welche die Entstehung von Übergewicht und Diabetes mellitus begünstigt.

„Nur rund eine halbe Stunde dauert das Einsetzen des Magen-Darm-Liners“, so Prof. Dr. Andreas Tromm, Chefarzt der Inneren Klinik am EvK. Dies darf ausschließlich in zertifizierten Kompetenzzentren erfolgen. „Anschließend können die Patienten rasch wieder entlassen werden“, erklären Dr. Edgar Voigt und Dr. Johannes Diermann aus dem interdisziplinären EvK-Team bei einer Ärzte-Fortbildung am Donnerstag im EvK. Nach maximal 12 Monaten – oder bei entsprechender Besserung der Werte – wird das System in einem etwa viertelstündigen Eingriff wieder entfernt.

„Wir brauchen dringend solche Methoden, die minimal-invasiv sind und dennoch Typ-2-Diabetes und Übergewicht effektiv behandeln können“, meint auch Priv.-Doz. Dr Helfried Waleczek, Chefarzt der Chirurgischen Klinik im EvK. „Bei vielen Patienten versagen nämlich die herkömmlichen Therapien zur Gewichtsreduktion und Blutzuckerkontrolle.“  Patienten, bei denen medikamentöse Therapien und Lebensstilmodifikationen mit mehr Bewegung und Ernährungsumstellung versagt haben, können nun mit EndoBarrier ihre Zielwerte erreichen.  „Das System hat das Potenzial“, glaubt Dipl.-Psych. Uwe Machleit, der Psychologische Leiter des Adipositaszentrums NRW in Bochum, „vielen Typ-2-Diabetikern mit Übergewicht dabei zu helfen, ihr Gewicht und ihre Werte unter Kontrolle zu bekommen – und auch zu halten.“

Der EndoBarrier ist für die Behandlung von Typ-2-Diabetikern mit oder ohne Übergewicht CE-zertifiziert. Klinische Studien haben erwiesen, dass 87% der genannten Patienten in der Lage sind, ihre Blutzucker-Zielwerte zu erreichen und in neun Monaten durchschnittlich 20% ihres Gesamtkörpergewichts abzunehmen*, was zu einer Senkung von Komplikationen im Zusammenhang mit Diabetes führen kann. Und die EndoBarrier- Therapie kann bewirken, dass Patienten weniger von Diabetesmedikamenten (darunter Insulin) abhängig sind.

Die Einrichtungen der Evangelischen Stiftung Augusta sind – gemeinsam mit einer Düsseldorfer Klinik – Referenzzentrum für ganz Nordrhein-Westfalen.

Weitere Informationen unter: www.augustaendobarrier.de

* Moura GHD et al., One Year Results of an Endoscopic, Duodenal-Jejunal
Exclusion Device for Weight Loss and Control of Type 2 Diabetes. Hospital
das Clinicas, University of São Paulo, São Paulo, Brazil. DT&T, February
2012, vol 14, no.2:183–189