Dr. Beyer und sein Team wagen aufwändige Aneurysma-Operation

Vorsorge ist für alle Bereiche des Körpers wichtig – aber nur selten so einfach und schnell wie beim Gefäßchirurgen: In nur fünf Minuten haben die Experten abgeklärt, ob man das Risiko eines Aorten-Aneurysmas in sich trägt. Das ist eine Vergrößerung, eine Aussackung der Aorta z.B. im Bauchraum, die platzen kann, was mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Tode führt.

Dr. Jochen Beyer, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie an der Augusta-Kranken-Anstalt, ist Spezialist für Aneurysmen, und hat gerade eine sehr aufwändige Operation durchgeführt, an die sich bundesweit vielleicht eine Handvoll Chirurgen heranwagen würden: Mit seinem Team ersetzte er in einer mehrstündigen Operation die komplette Bauch- und Brustaorta.

Die Aorta ist die „dickste Leitung“ im Körper. Sie beginnt oben am Herzen, ist im Normalfall bis zu 2,5 cm dick – und über sie wird das Blut in die unteren Körperregionen gepumpt. „Ein verdicktes Stück  der Bauchaorta unterhalb der Nierenarterien zu ersetzen“, so der Augusta-Chefarzt, „ist eine relativ einfach Aufgabe, weil in diesem Bereich von der Aorta keine großen Gefäße abgehen.  Im Oberbauch und im Brustbereich ist das anders. „Da zweigen u.a. die Arterien ab für Leber, Magen,  Darm und die Nieren, aber auch jene, die das Rückenmark versorgen.“ Die Blutversorgung für diese Organe darf nur ganz kurz unterbrochen werden, was die Chirurgen vor große Probleme stellt.

Der Patient, dem mit der besonderen Operation im Augusta geholfen wurde, hatte eine mehr als acht Zentimeter dicke Aorta, die im Brust- und Bauchraum erkrankt war. Durch Arterienverkalkung und den hohen Druck in der Hauptschlagader war das Gefäß so dick - und dadurch auch dünnwandig - geworden, dass jederzeit das Risiko eines Risses bestand. „Wir mussten operieren“, sagt Beyer. „Es gab keine andere Möglichkeit, dem Patienten zu helfen.“

Man habe, so Beyer, dank dieser besonderen Technik ohne Herz-Lungen-Maschine gearbeitet. Dafür mussten zunächst – was sehr aufwändig ist – die Arterien zu den genannten, wichtigen Organen über Schläuche (sogenannte Shunts) mit dem oberen Teil der Aorta verbunden werden, um deren Durchblutung sicher zu stellen. Erst jetzt konnte man die Schlagader oben und unten abklemmen und das kranke Teilstück ersetzen. Die vorhandenen Gefäße wurden dann in die künstliche Aorta aus Teflon eingenäht.

Dem Patienten geht es nun gut. Drei Tage blieb er auf der Intensivstation. Er muss inzwischen noch nicht einmal Medikamente einnehmen.  „Man schätzt“, so sagt Dr. Beyer, „dass in Europa drei Prozent aller Männer an einem Aneurysma sterben.“ Albert Einstein, Thomas Mann und der russische Präsident Leonid Breschnew fielen der Erkrankung zum Opfer, die üblicherweise keinerlei Beschwerden verursacht und deshalb als Zeitbombe in 60.000 bis 80.000 Menschen schlummert.