Dr. Jan Florian Heuer, Dr. Holger Hasselbring (v.li.) und Ulricke Hasselbring im Gespräch mit Prof. Lammert.

Bundestagspräsident Lammert
spricht zum Dilemma der Notfallmedizin

Eine Podiumsdiskussion um die Sinnhaftigkeit von Intensiv- und Notfallmedizin am Lebensende eines Menschen stand im Mittelpunkt des sehr gut besuchten Intensivmedizinischen Symposiums, das Dr. Holger Hasselbring, der scheidende Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin an der Augusta-Kranken-Anstalt,  im Kunstmuseum Bochum veranstaltete.

Prof. Dr. Ruth Rissing-van Saan, früher Vorsitzende des 2. Strafsenats am Bundesgerichtshof, brachte interessante Aspekte in die Diskussion ein, wie Chefarztkollegen von Dr. Hasselbring später feststellten. Prof. Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages, war extra angereist, um ein Grußwort sprechen, denn es war das letzte Symposium in einer ganzen Reihe hochkarätiger Veranstaltungen, die Dr. Hasselbring im Lauf der Jahre in Bochum ausgerichtet hat: Ende April ging der engagierte Chefarzt nach fast einem Vierteljahrhundert in den Ruhestand.

„Es ist leicht, intelligente Fragen zu stellen“, sagte Lammert in seiner kurzen Rede zur Notfallmedizin. Nicht alles was wissenschaftlich möglich sei, sei auch ökonomisch sinnvoll. „Diese Lücke“, so Lammert, „dass wir immer mehr können, aber immer weniger finanzieren können, wächst tendenziell.“  Lammert fragte rhetorisch, wie man denn mit diesem Dilemma umgehen könne. „Es ist zweifelsohne eine politische Aufgabe, die Kriterien für eine gerechtere Ressourcen-Aufteilung zu definieren.“ Gerade an dieser Stelle gebe es aber eine „gehobene Ahnungslosigkeit“.

Wenn es die medizinischen Möglichkeiten gebe, bedeute dies nicht gleichzeitig, dass dafür auch ein Bedarf bestehe. Erst recht gebe es keinen Rechtsanspruch, dass alle medizinischen Möglichkeiten im individuellen Fall auch angewendet werden müssen. „Wenn wir individuell betroffen sind“, so Prof. Lammert, „nehmen wir gern die gesamte Bandbreite der medizinischen Möglichkeiten in Anspruch.“ Wenn es aber darum gehe, dass das Sozialsystem dies für alle bezahlen soll, rege sich schnell Widerstand.

Prof. Lammert, der anschließend nach Düsseldorf fuhr, fand mit seinen Worten großen Beifall im Auditorium, das zum Ende des Tages auch noch ein Vortrag von Hasselbrings Chefarzt-Nachfolger Dr. Jan Florian Heuer hörte.