Gegen die Vereinsamung:
Seniorenzentrum mit Superküche

Ulrich Froese, Geschäftsführer der Augusta Kliniken Bochum Hattingen und selbst begeisterter Hobbykoch, brachte auf den Punkt was die Besucher dachten. „Auf eine solche Küche kann man nur neidisch sein“, sagte er lachend. Das Schmuckstück finden Besucher in den renovierten Räumen des Augusta in Bochum-Linden. Die ehemalige Kapelle an der Dr.-C.-Otto-Straße ist jetzt gleichsam die „Front gegen Vereinsamung“: Das offene Begegnungszentrum für Senioren wurde gerade eingeweiht.

Kochinteressen mit anderen teilen und über die Entwicklung von Gemeinschaft möglichst viel Lebensfreude erhalten. „Damit wollen wir“, so Uwe Machleit als Hausherr und Leiter der Augusta Akademie, „Vereinsamungstendenzen entgegenwirken, die bei allein lebenden Senioren oft auftreten.“ Damit werde gleichzeitig ein Risikofaktor für das Entstehen psychischer und somatischer Erkrankungen ausgeschaltet.
Gesundheit und Wohlbefinden gehen beim Konzept "augusta culinaria" in der Tat durch den Magen. Der Stoffwechsel älter werdender Menschen verlangsamt sich, die körperliche Aktivität nimmt ab. „Dadurch sinkt der Energieumsatz“, erklärt Dr. Olaf Hagen, Chefarzt der benachbarten Klinik für Geriatrie, „und die Menschen nehmen dann oft ab.“ Deshalb ist es besonders wichtig, älteren Menschen abwechslungs- und nährstoffreichere Speisen zu bieten. An den großen Induktionsherden sollen Senioren wieder lernen, Mahlzeiten vorzubereiten. Sie sollen den Tisch decken, neue Rezepte kennenlernen, unter Anleitung gesund kochen und gemeinsam essen. Und Spiele- und Tanz-Abende, Diskussionsrunden und Diaabende wird es in den neuen Räumen ebenso geben wie die regelmäßigen Treffen der Adipositas-Selbsthilfegruppe.
In Linden und Dahlhausen gab es bisher kein vergleichbares Begegnungszentrum, obwohl hier rund 7.500 Menschen(Stand Ende 2007) leben, die älter sind als 60 Jahre. Dr. Heide Ott, Leiterin des Bochumer Sozialamtes, freute sich. „Diese schönen Räume könnten unser neuer Stützpunkt für die Vernetzung im Stadtteil werden“, sagte sie bei der Eröffnung.
„Dieses Konzept hat den Stiftungsrat überzeugt, der oft Akzente setzt und beispielhafte Projekte fördert“, sagt Vorstand Petra Grobusch von der Stiftung Wohlfahrtspflege, die auch das Augusta-Projekt wohlwollend förderte. „Hier ist ein Ort für menschliches Miteinander.“ Sie wünschte dem Seniorenzentrum, das auch Kontakte zu Kindergärten und Schulen pflegen wird, „viele Augenblicke der Begegnung und der Freude.“ Die Umnutzung von Gotteshäusern ist ein viel diskutiertes und für viele Menschen emotional bewegendes Thema in Zeiten knapper Kassen und schwindender Gemeindeglieder. In der Evangelischen Stiftung Augusta allerdings haben sie nicht viel diskutiert, sondern gehandelt: Die Evangelische Stiftung Augusta als Träger der Augusta Kliniken und des Evangelischen Krankenhauses Hattingen sowie weiterer Einrichtungen des Gesundheitswesens investierte knapp 500.000 Euro in das zukunftweisende Haus, das auch Anlaufstelle sein wird für Hilfe suchende Angehörige und Selbsthilfegruppen.

Info:
Die längst entwidmeten Räume auf dem Gelände der Augusta-Kranken-Anstalt dienten lange als Werkstatt und Lagerraum. Bis Ende der 60er Jahre war das Haus als Kapelle und Trauerhalle genutzt worden. Dort gab es eine Pathologie mit Leichenkammer und Sezierraum. Alle Lindener Kirchengemeinden nutzten diese Trauerhalle und die Trauerzüge zu den Friedhöfen (meistens mit
Pferde-Kutschen) begannen dort.