Jörg Eckardt und Priv.-Doz. Dr. Stefan Könemann beim Fototermin vor dem neuen Linearbeschleuniger.

Radiochirurgie: Bestrahlung statt Operation

Den Menschen helfen, ohne sie zu operieren, die eigentlich fällige Operation durch eine Bestrahlung ersetzen. „Das ist möglich“, sagt Privatdozent Dr. Stefan Könemann, „seit wir Strahlentherapeuten mit modernsten Geräten Hochpräzisionsmethoden anbieten können.“

„Radiochirurgie“ heißt das Zauberwort und es beschreibt eine Bestrahlungsmethode, die bei ganz bestimmten Krebsmetastasen (Tochtergeschwülsten) zum Einsatz kommt und damit eine Operation gleichwertig ersetzen kann. In den letzten Jahren sind diese Methoden immer weiter optimiert worden – und die Augusta Klinik in Bochum ist eines der Zentren, das Radiochirurgie auf höchstem Niveau anbietet.

Privatdozent Dr. Stefan Könemann hat beim Pressegespräch ein Beispiel an die Wand projiziert, das besonders deutlich zeigt, wann die Stunde der Radiochirurgie schlägt: Ein kirschkerngroßer Tumor direkt am Stammhirn lässt sich nicht herausschneiden. „Der Patient“, so der 45jährige Mediziner, „wäre bei einer Operation sofort tot.“ Eine stereotaktische Bestrahlung allerdings kann dem Menschen helfen.

Das Strahlentherapiezentrum am Augusta ist in den vergangenen drei Jahren massiv gewachsen, hat sein technisches und medizinisches Personal verdoppelt. Erst kürzlich wurde für über 2 Mio. Euro auch ein zweiter Linearbeschleuniger angeschafft, der genau so präzise arbeitet wie das bisherige Gerät. „Damit schaffen wir es allerdings“, so Physiker Jörg Eckardt, „unseren Patienten noch kürzere Wartezeiten anzubieten als bisher.“

Präzision ist am Augusta die Summe von Medizin und Physik. Der Linearbeschleuniger dreht sich um den Patienten. Die Strahlendosis allerdings kommt punktgenau dort an, wo sie hin soll und zerstört das Tumorgewebe mehr als fünfmal so genau wie früher - bei einer Bestrahlung von zwei Seiten.

Dr. Könemann kooperiert – neben den Onkologischen Zentren des Augusta – auch mit weiteren Tumorzentren, die ihre Patienten zum Institut an der Bergstraße schicken, um dort Hochpräzisions-Strahlentherapie zu bekommen. Auch eine weitere Methode, die intensitätsmodulierte Strahlentherapie, kann in bestimmten Fällen einer Operation gleichwertig sein. Dies kann zum Beispiel bei Tumoren der Prostata, der Lunge und des Darms sein. Immer vorausgesetzt, dass es sich um vereinzelte Tumoren handelt.