Mitglieder der Rufbereitschaft: Bertold Bittger, Christa Pies, Ursula Heckel und Berthold Boenig

Trost und Hilfe, wenn der Tod im Krankenhaus naht

Trost zusprechen, Hände halten, einfach da sein. Wenn der Tod im Krankenhaus naht, die Zeit des Abschiednehmens gekommen ist, suchen und brauchen viele Menschen eine solche Begleitung. In Bochum haben sich die Seelsorger aller vier Innenstadt-Krankenhäuser zusammengeschlossen und eine Rufbereitschaft für die Nacht und das Wochenende organisiert. Acht hauptberufliche Seelsorger und weitere fünf ehrenamtliche Mitarbeiter geben Menschen in Krisensituationen Trost und Hilfe - wenn es gewünscht ist.

„Das traue ich mir nicht zu“, sagen die einen. Aber die anderen finden, das sei eine sehr dankbare Aufgabe. Dass sie getan werden muss, weiß man nicht erst seit der Loveparade-Katastrophe, als viele Notfall-Seelsorger in Duisburg zur Stelle waren, um den Betroffenen, den Verletzten und den Angehörigen Trost und Beistand zu geben.

„Die Berichterstattung über dieses Unglück und die Notfall-Seelsorger“, sagt ein erstaunter Pfarrer Berthold Boenig (Augusta), „hat bei nicht wenigen Interesse dafür geweckt, sich ehrenamtlich einzubringen.“ Es habe in der Folge sehr viele Telefonate mit Menschen gegeben, die genau dort helfen wollten.

Die Seelsorger der Augusta-Kranken-Anstalt, des Bergmannsheils, des St. Elisabeth- und St. Josef-Hospitals mit der Kinderklinik suchen nun genau diese ambitionierten und engagierten ehrenamtlichen Helfer, um die seelsorgerische Rufbereitschaft ihrer Krankenhäuser auszubauen. „Es ist sicher einzigartig“, findet Bertold Bittger (St. Josef), „dass sich vier Krankenhäuser und damit drei unterschiedliche Träger zusammenschließen, um ein solches ökumenisches Projekt mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern gemeinsam zu stemmen.“

Christa Pies ist seit fast 20 Jahren ehrenamtlich dabei. Es gehe bei ihren Einsätzen zumeist darum, so sagt sie, Angehörige von Verstorbenen oder Unfallopfern zu stützen. Sicher nicht mit aufgezwungenen Gebeten. „Wir haben eine gesunde Distanz“, sagt Ursula Heckel (St. Josef). „Wir schauen, was die Angehörigen brauchen – und vergessen auch nicht das Stations-Personal, das ebenfalls sehr oft tief betroffen ist, und dankbar für die Entlastung.“

Die Menschen spüren, dass da jemand kommt, sie an die Hand nimmt und ein Stück Ruhe in die Situation bringt. „Wir helfen dabei“,  so Berthold Boenig, „Zugang zur ersten Trauer zu finden.“ Wenn es keine weiteren Angehörigen gibt, die Trost spenden können, sei eine große Dankbarkeit für die zumeist sehr stille Hilfe spürbar.

Menschen, die sich ein solches Ehrenamt vorstellen können, werden in einem Kurs der Seelsorge auf diese anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet. Bevor die eigentliche Ausbildung beginnt, bekommen sie einen Überblick über die vielseitige Arbeit im Krankenhaus und werden auch danach fortwährend von den Seelsorgern unterstützt.

Es sei beileibe nicht so, stellt Berthold Boenig fest, „dass man nur etwas für die anderen tut.“ Die Kursteilnehmer machen eine Persönlichkeitsentwicklung durch. „Sie lernen in der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema Tod etwas über die Endlichkeit und darüber, dass die Trauer über den Tod hinausgeht.“

Ein erstes Treffen für interessierte Menschen bis maximal 65 Jahre wird es am 18. Oktober geben, um 19.30 Uhr, im Besprechungsraum der Seelsorge in der Augusta-Kranken-Anstalt. Nachfragen und telefonische Anmeldung sind unter 509-2130 möglich. Das ist die Rufnummer von Ursula Heckel.