Thoraxzentrum Ruhrgebiet gibt Rückenwind bei Lungenkrebs

„Solange ich ihn nicht sehe, kriegt er mich auch nicht!“ Ruhrgebietsschauspieler Diether Krebs, der an Krebs erkrankt war, stürzte sich in seine Arbeit und stand weiter auf der Bühne, als ob nichts gewesen wäre. Bei der großartigen Veranstaltung „Rückenwind bei Lungenkrebs“ im Bochumer Hotel Park Inn erzählte Krebs-Sohn Moritz, wie die Familie mit der einschneidenden Diagnose umgegangen ist.

Man sei enger zusammengerückt, sei sich wieder näher gekommen. Moritz Krebs zog sogar wieder zu Hause ein, um seinem Vater näher zu sein. „Ich glaube, so nahe waren wir uns nie zuvor.“ Nur wenige wissen, dass auch seine Mutter an Lungenkrebs erkrankte und immer noch selbst Staubsaugen wollte. „Das dauert zwar länger“, sagte sie wohl immer, „aber ich WILL es selbst machen.“ Das ‚normale‘ Leben, so ließ Krebs durchblicken, müsse und könne auch so normal wie möglich weitergehen.

Auf dem Podium erläuterte eine ganze Reihe von Experten des Thoraxzentrums Ruhrgebiet (Augusta Bochum/EvK Herne), was bei der Diagnose Lungenkrebs medizinisch notwendig und zu beachten sei, welche Funktion z.B. Tumorkonferenzen haben, wie bei der Diagnose vorgegangen wird. Augusta-Chefonkologe Prof. Dirk Behringer, Strahlentherapeut Priv.-Doz. Dr. Stefan Könemann und Chef-Psychiaterin Christiane Wähner standen der sehr guten Moderatorin Maxi Biewer Rede und Antwort.

Die Augusta Kliniken sind als selbsthilfefreundliche Häuser zertifiziert und Annegret Hintz-Düppe als Selbsthilfebeauftragte der Häuser erläuterte, dass bereits in den einzelnen Abteilungen die Mitarbeiter darauf geschult sind, Betroffene an die richtigen Adressen zu verweisen.

Christiane Wähner erläuterte wie wichtig es sei, Familie und evtl. auch Freunde mit in die psychologische Betreuung einzubinden. „Es kommt der Zeitpunkt“, erinnerte sich Moritz Krebs, „da kannst du nicht mehr allein weitermachen.“ Er habe dann, so erzählt er, seinen ganzen Rucksack voll Sorgen und Probleme einfach einem Psychologen vor die Füße gekippt und gesagt, der solle das nun mal fein sortieren. „Damals gab es solche tollen Veranstaltungen noch nicht, wie wir sie hier und heute miterleben.“

Barbara Baysal, Berliner „Frontfrau“ der Selbsthilfe-Bewegung für Lungenkrebspatienten, erzählte aus eigener Erfahrung, wie es war, keine Selbsthilfegruppe zu finden. „Ich wollte gern mit Menschen sprechen, die das Gleiche hatte wie ich.“ Aber sie musste dann erst selbst eine solche Gruppe gründen. Heute ist sie der bundesweite Motor für Neugründungen. „Hier in Bochum gibt es auch ein Gruppe“, sagte sie, „mit einer sehr netten Ansprechpartnerin.“

Zum Ende der von der Firma Lilly gesponserten Veranstaltung gab es „Gesprächsinseln“, in denen Angehörige und Patienten den anwesenden Experten persönliche Fragen stellen konnten. Dieses Angebot wurde sehr gut angenommen.

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Fotos: Firma Lilly -  Volker Wiciok