„Bochum hört zu“ am 02.04.2011
Informationstag über Vorbeugung, Früherkennung und Therapie von Brustkrebs

Ziel des Mammografie-Screenings ist es, Brustkrebs frühzeitiger zu erkennen und längerfristig die Sterblichkeitsrate herabzusetzen. Zwischen 2005 und 2009 haben alle 94 Screening-Einheiten in Deutschland ihre Arbeit aufgenommen, um mehr als 10 Mill. Frauen zwischen 50 und 69 Jahren flächendeckend das Mammografie-Screening anzubieten. Bis Ende 2009 sind bundesweit etwa 4,9 Mill. von 9,2 Mill. aufgeforderten Frauen der Einladung zum Screening gefolgt. Dr. Wolfgang Gaissmaier, Max-Planck-Institut Berlin, wird über die hohen Qualitätsansprüche an das Screening und die zu erwartenden Langzeit-Erfolge referieren, sich aber auch kritisch mit der Frage der Überdiagnostik und der damit verbundenen psychischen Belastung für die eigentlich gesunden Frau auseinandersetzen.

Trotz 2jährlich durchgeführter Mammografien im Mammografie-Screening erfahren wir immer wieder von „übersehenen“ Brustkrebsfällen. Würde hier die Kernspinmammografie Abhilfe schaffen? Ist es nur eine Frage des Geldes, warum sie nur in seltenen Fällen von der Krankenkasse übernommen wird? Prof. Ingrid Schreer, Radiologin des Brustzentrums der Universitätsfrauenklinik Kiel klärt, warum die Kernspinmammografie so schwierig zu interpretieren ist.

Wird Brustkrebs früh erkannt, kann er in den meisten Fällen brusterhaltend operiert werden. In diesen Fällen wird zur lokalen Tumorkontrolle eine Bestrahlung der Brust empfohlen. Da im Falle des Wiederkehrens der Brustkrebserkrankung die Tumoren meistens im Bereich des ehemaligen Tumors auftreten, war es nahe liegend die Ganzbrustbestrahlung gegen eine Teilbrustbestrahlung des Tumorbettes zu testen. Diese kann man im Gegensatz zur Ganzbrustbestrahlung schon während der Operation durchgeführt werden, allerdings nur wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Über die ersten Ergebnisse dieser Studie und darüber, in welchen Fällen man sie jetzt schon einsetzen darf, welche Risiken und Fallstricke es gibt, berichtet Prof. Frederik Wenz aus der Klinik für Strahlentherapie des Universitätsklinikums Mannheim (Studienzentrale für die intraoperative Strahlentherapie Deutschland).

Um eine Brustkrebserkrankung möglichst zielgerichtet zu behandeln, werden tumorbiologische Informationen des Tumors herangezogen. Neu ist die Entwicklung von Gensignaturen des Tumors, die das Ansprechen der Therapie abschätzen sollen. Erste Ergebnisse stimmen optimistisch: Gensignaturen könnten Patientinnengruppen identifizieren, die von bestimmten Chemotherapien nicht profitieren, denen man also die Nebenwirkungen aggressiver Medikamente ersparen könnte. Prof. Walter Jonat, Universitätsfrauenklinik Kiel, gibt einen Überblick über den aktuellen Stand.

Komplementäre Verfahren werden von Patientinnen zunehmend nachgefragt. Ob Nebenwirkungen der Chemotherapie tatsächlich durch Misteltherapie abgefangen werden können, das Immunsystem durch komplementäre Verfahren geschützt werden kann oder sie möglicherweise in manchen Situationen auch Schaden können, beantwortet Dr. Leo Auerbach, der die Sprechstunde für komplementäre Verfahren an der Universitätsfrauenklinik Wien leitet.

Zum Glück findet man nicht immer Mutationen der Brustkrebsgene, wenn mehrere Frauen in einer Familie an Brustkrebs erkrankt sind. Wie gefährlich es ist, wenn Brustkrebsgene tatsächlich mutiert sind, wie man das feststellen kann und v.a. was dann als Vorsorgeprogramm zu tun ist, weiß Prof. Rita Schmutzler, die maßgeblich an der Entdeckung des BRCA 3-Gens beteiligt war.

Auch dann ist es sinnvoll durch Ausdauersport etwas für die Vorbeugung von Brustkrebs zu unternehmen. Dr. Anke Kleine-Tebbe, Brustzentrum der DRK-Kliniken Berlin, stellt die Studien zur Prävention und Prognoseverbesserung von Brustkrebs vor.

Im Anschluß an die durch Martina Eßer (WDR) moderierten Vorträge nehmen alle Referenten, sowie Heide Schulte (Bundesverband Frauenselbsthilfe nach Krebs, Petra Koruhn ( Heilpraktikerin/Journalistin) und Frau Monika Lange (Selbsthilfegruppe für Krebsbetroffene Bochum e.V.) an einem Round Table teil.