Augusta Kliniken ermöglichen Kunstaktion im Bochumer Museum

Ein fesselnder Erzähler ist Anatol Herzfeld, der Weggefährte des lange verstorbenen Joseph Beuys, schon immer gewesen. Dies stellte er bei seinen Ringgesprächen im Bochumer Museum in diesen Tagen wieder eindrucksvoll unter Beweis. Kurz nach seinem 80. Geburtstag hatte es ihn wieder dahin gezogen, wo er schon anlässlich seines 70. Lebensjahr eine "Arbeitszeit" veranstaltet hatte.

Der Bochumer Sammler Helmut Klinker war es dereinst gewesen, der erste Werke von Anatol und damit auch den Künstler selbst in unsere Stadt gebracht hatte. Aber ein anderer engagierter Bochumer Sammler hat diese Beziehung noch tiefer gemacht, indem er Anatol ein Fläche zur Verfügung stellte, wie sie einem Künstler nur selten "unter die Finger" kommt: Ulrich Froese, Geschäftsführer der Augusta-Kranken-Anstalt, ließ Anatol im Augusta-Park an der Zeppelinstraße aus Findlingen eine Familie gestalten - und auch "Kain und Abel" fanden dort einen Platz.

Dass Anatols Werke kaum irgendwo so präsent sind wie in der Augusta-Kranken-Anstalt, nur einen Steinwurf entfernt vom Bochumer "Kulturtempel", wissen alle, die sich der Bochumer Kustlandschaft verbunden fühlen. Anatol unterließ es auch nicht, zu Beginn seiner Ausführungen im Rahmen der Ringgespräche jeweils darauf hinzuweisen, wie verbunden er sich dieser Stadt generell und besonders dem Augusta fühlt. "Geschäftsführer Ulrich Froese", so sagte er, "hat dafür gesorgt, dass in seinem Haus nicht nur gute Medizin praktiziert wird, sondern auch die Kunst als positive Strömung Einzug hielt und den kranken Menschen zusätzlichen Halt gibt."

Der bodenständige Künstler, der durch 40 Jahre Arbeit als Polizist in Düsseldorf zusätzlich geerdet ist, diskutierte auch angeregt mit den vielen Besuchern im Museum, die ihn unter anderem fragten, warum es nur noch so wenige politische Künstler wie ihn gebe. Er und sein Lehrer Beuys seien Paradebeispiele gewesen von Künstlern, die sich bewusst einmischen.

"Zauber gibt es überall" zitierte WAZ-Auto Daniel Hadrys den Künstler bei seinem ersten Ringgespräch. "Man mag es romantisch-verklärt oder kindlich-naiv nennen", so Hadry weiter, "aber wenn Anatol so etwas mit einem überzeugten Funkeln in den Augen sagt, dann möchte man sich als Zuhörer auf die Suche nach diesem Zauber begeben." Am 16. und 22. Juni - jeweils von 10 bis 12 Uhr - gibt es noch zwei weitere Ringgespräche. EF