4.000 Stoßwellen in 40 Minuten
Modernster Nierensteinzertrümmerer der Welt in Bochum eingeweiht

Die Schmerzen einer Nierenkolik sind fürchterlich:  „Die Menschen krümmen sich manchmal auf dem Boden“, beschreibt Privatdozent Dr. Burkhard Ubrig, Chefarzt der Urologischen Klinik der Augusta-Kranken-Anstalt. „Sie entstehen, wenn die Steine sich in der Niere bewegen oder im Harnleiter verkanten.“ Das seien die schlimmsten ihm bekannten Schmerzen. Frauen beschreiben, die Schmerzen seien schlimmer als bei einer Geburt.

Nierensteine sind ein Volksleiden.  „Jedes Jahr erkranken rund ein Prozent der Männer in Deutschland und außerdem rund 0,5% der Frauen.“ Vier Prozent der Menschen erkranken irgendwann im Laufe ihres Lebens einmal daran.

Der modernste Nierensteinzertümmerer der Welt steht nun in Bochum. „Es gibt in Deutschland nur ein paar davon.“  Weltweit wird das brandneue Gerät der Firma Siemens neuerdings viel in Asien verkauft. Das Besondere am neuen Gerät ist die strahlensparende präzise Steinortungseinrichtung und die effektive und nieren-schonende Zertrümmerung.

Extrakorporaler Stoß-Wellen-Lythotrypter (ESWL) – das klingt rätselhaft, ist aber eigentlich ganz einfach und hoch effektiv: Das eine halbe Million Euro teure Gerät der Firma Siemens zertrümmert Nierensteine mit Hilfe von Druckwellen, die fokussiert von außen in den Körper geschickt werden.  Die Steine - meist aus Calzium, werden meist in nur einer Sitzung zu Sand zertrümmert, der dann schmerzlos mit dem Urin ausgeschieden wird.

Die Augusta Kranken-Anstalt behandelt im Jahr ca. 1000 Patienten mit Harnsteinen. Für die Menschen sind Steinzertrümmerer ein Segen, denn die Steine können beseitigt werden, ohne dass eine Operation erforderlich ist. Hans-Dietrich  Genscher“, erzählt Dr. Ubrig, „musste noch viele Male mit großen Schnitten an Harnsteinen  operiert werden.

Die ESWL-Technik ist eine deutsche Erfindung, an der ein Urologe und ein Physiker beteiligt waren. „Vor über 20 Jahren war das eine Revolution“, so Dr. Ubrig, „als wir Steine zerstören konnten, ohne den Körper aufschneiden zu müssen.“

Die Prozedur selbst, so Dr. Ubrig, sei mit Beruhigungsmitteln und/oder Schmerzmitteln gut zu ertragen. Mancher Patient wählt dennoch eine Narkose.

Direkt auf dem Körper wird ein Wasserkissen platziert, das 4.000 „Schüsse“ in der rund 40 Minuten dauernden Sitzung in den Körper leitet. Die Zielgenauigkeit ist enorm groß. Mit dem integrierten Röntgengerät wird der ESWL ausgerichtet - aber man kann die Steine auch strahlenfrei mit Ultraschall lokalisieren.

Die Stoßwellen-Behandlung ist nicht gerade leise, aber die Patienten sind zufrieden, weil sie ihre Steine ohne Operation loswerden können. Für das neue Gerät wurde extra neue Räumlichkeiten geschaffen, die auf die Patientenbedürfnisse abgestimmt sind: Während der Sitzung (30 Minuten) kann man sich Musik einspielen lassen – und auch die Farbe des Lichts ist veränderbar.  Den Nieren-Steinen vorbeugen kann man im Übrigen auch: Viel Trinken und eine ausgewogene, gesunde Ernährung können dazu beitragen.