Mark Michael Schnakenberg: Von Sprockhövel nach Brasilien

Er ist in Brasilien geboren, in Sprockhövel aufgewachsen und will nun für längere Zeit in seine Heimat, die er bisher nur aus dem alljährlichen Urlaub kennt: Mark Michael Schnakenberg hat an der Krankenpflegeschule der Evangelischen Stiftung Augusta sein Examen als Gesundheits- und Krankenpfleger abgelegt  und will jetzt vor allem den armen Brasilianern mit seinem Wissen und seinem Können helfen. Am 28. September startet der „Flieger“ in sein neues Leben.

Der sympathische junge Mann, der mit zwei Jahren nach Deutschland kam, interessierte sich schon immer für seine Wurzeln und die Lebenssituation der Menschen in Brasilien. Bei seiner dort lebenden Großfamilie (über 20 Onkel und Tanten, 40 Cousinen und Cousins) sammelte er bei den jährlichen Besuchen viele Eindrücke. Besonders betroffen war der 22jährige stets von der schlechten medizinischen Versorgung der armen Bevölkerung. „Von 180 Millionen Menschen hat über die Hälfte keinerlei medizinische Hilfe“, sagt er.

Sein Onkel, Dr. Haraldo Barcelos, ist Gynäkologe in Sao Paulo und arbeitet u.a. für das neue Familiengesundheitsprogramm der brasilianischen Regierung. „PSF“  (Programa de Saúde da Família) soll das Gesundheitssystem auch für die ärmsten Bevölkerungsteile öffnen.

Teams mit einem Arzt, einer Krankenschwester, einem Zahnarzt, zwei Krankenpflegehelfern und fünf Gesundheitsarbeitern aus der Gemeinde werden für jeweils rund 900 Familien in einem Stadtteil verantwortlich sein. Genau dort will Schnakenberg, der ein „Zweier-Examen“ hinlegte, mithelfen. "Ich bin in der Krankenpflegeschule Hattingen und im Evangelischen Krankenhaus hervorragend ausgebildet worden und möchte als Gesundheitshelfer schon bald die armen Familien besuchen.“

Pflegerisch will er helfen und sein Wissen weitergeben. Aber auch einfachere Maßnahmen wie zum Beispiel Kinder wiegen, Impfungen kontrollieren oder Schwangere, Diabetiker und Bluthochdruckpatienten begleiten. „Ich habe im Leben bisher viel Glück gehabt und will durch ehrliche Arbeit den Menschen etwas zurück geben.“

Zunächst wird er seinen Onkel für zwei Monate in seiner Arztpraxis und in den Notfallpraxen der Krankenhäuser begleiten und hospitieren. Der Onkel ist das große Vorbild des jungen Sprockhövelers. Dass die Hilfe in den Armenvierteln nicht immer ganz einfach sein wird, weiß der engagierte Krankenpfleger natürlich. „In Brasilien gibt es leider eine hohe Kriminalitätsrate, so dass auch viele Stich- und Schussverletzungen zu behandeln sind“, sagt er. „Aber trotzdem will ich den Menschen Vertrauen entgegenbringen.“

Die nötigen Medikamente, Material oder Instrumente fehlen oft. Von seinem Onkel weiß er dass vieles selbst besorgt werden muss. Manchmal müsse man im Stil von ‚Mac Gyver’ arbeiten, das Beste aus den jeweiligen Situationen machen. Moderne Gerätemedizin stehe nur der Oberschicht zur Verfügung. Selbst für grundlegende Diagnostik fehle oft das Material.

Trotz der zu erwartenden Schwierigkeiten freut er sich auf die Reise und sein neues Leben. „Ich habe nichts zu verlieren und kann nur gewinnen. Die Erfahrungen, die ich machen werde, beruflich wie privat, kann mir keiner mehr nehmen.“

Das Schöne im Leben soll aber auch nicht zu kurz kommen. In den brasilianischen Sommermonaten Dezember und Januar wird der Junge aus Sprockhövel seine äquatornahe Geburtsstadt Natal besuchen und Urlaub machen. „Prinzipiell ist Brasilien ein Paradies, man sollte nur wissen, wie man sich verhalten muss“, sagt er mit einem Lächeln. „Und so werde ich bestimmt auch öfter mit einem Cocktail an einer Strandbar sitzen und das Leben genießen.“

Ganz sicher ist er sich, dass er später auch noch Medizin studieren wird. Ob in Brasilien oder Deutschland, wird sich noch zeigen. „Die brasilianischen Universitäten haben schwere Aufnahmeprüfungen, gelten aber als sehr gute Lehranstalten.“ Vorstellen kann er sich aber auch, letztlich für immer nach Brasilien zu gehen.

Den brasilianischen Pass hat er ebenso wie den deutschen – und ihn treibt nicht das Streben nach Reichtum sondern der Wunsch, den Menschen zu helfen . Man wird sicher noch hören von dem jungen Mann aus Sprockhövel, der es auch für möglich hält, eine Hilfsorganisation zu gründen. „Da kann ich dann auch meine deutschen Kontakte einbinden.“