Hoher Besuch vom anderen Ende der Welt flog 22.000 Kilometer für eine Operation

Hohen Besuch vom anderen Ende der Welt hatte Dr. Helfried Waleczek, Chefarzt der Chirurgischen Klinik am Evangelischen Krankenhaus Hattingen (EvK): Der Schweizer Honorar-Generalkonsul von Samoa, Marco Kappenberger, kam für eine Operation nach Hattingen.

Ein Leistenbruch war es, den die dortigen Ärzte vor ein paar Monaten bei dem seit 1994 auf Samoa lebenden Konsul diagnostizierten. Weil moderner Medizintechnik dort nicht verfügbar ist, konnte Kappenberger nicht in seiner Heimat operiert werden. So kontaktierte der in Lugano Aufgewachsene seinen langjährigen Freund Herwig Niggemann aus Bochum. Dieser verwies ihn an die Chirurgische Klinik des EvK, wo der Weitgereiste einen OP-Termin vereinbarte.

Nach über 22.000 Flugkilometern und rund 44 Stunden Anreisezeit von Samoa über Neuseeland, Australien, Singapur bis nach Deutschland stellte sich der 69jährige dann am letzten Sonntag in der Klinik vor. Der Diplomat aus Samoa ist nun übrigens Rekordhalter: Er ist der Patient mit der bisher weitesten Anreise.

Gleich am Montag wurde dann, nach entsprechenden Voruntersuchungen, operiert. Dr. Waleczek und sein Team setzten dem Patienten bei einem minimalinvasiven Eingriff - im Volksmund bekannt als Schlüssellochoperation - ein Leichtnetz ein. Damit war der Bruch verschlossen. „Dieses Netz ist mit Zucker bedampft“, so Dr. Waleczek, Chefarzt der Klinik für Chirurgie. „Es löst sich im Körper auf und verwächst hervorragend mit dem Gewebe.“

Das Material wird als „biokompatibel“ bezeichnet und sei zurzeit die beste OP-Methode bei Leistenbrüchen. „So konnten wir Herrn Kappenberger schon am Dienstag wieder entlassen.“ Im Rahmen des Eingriffs hatte Dr. Waleczek – gewissermaßen nebenbei - noch den gesamten Bauchraum des Patienten untersuchen können und zur Freude des Konsuls festgestellt, dass auf Samoa die Menschen sehr gesund zu leben scheinen. Zumindest bei Herrn Kappenberger sei organisch alles in bester Ordnung.

„Am meisten freue ich mich natürlich über den guten Verlauf der OP“, so der Frischoperierte, „trotz OP habe ich inzwischen schon die schöne Altstadt von Hattingen besichtigt und will, bevor es am Freitag zu einer Konferenz der Generalkonsule nach Luzern in die Schweiz geht, noch das Zeltfestival in Bochum besuchen.“ In der nächsten Woche, so sagte er mit einem Lächeln, gehe es dann endlich zurück auf die Paradiesinsel Samoa, wo seine Frau ihn bereits erwarte.

Im Übrigen, so Dr. Waleczek, sei der Anteil auswärtiger Patienten im EvK inzwischen  prozentual auf 60 Prozent  gestiegen, der Anteil der Hattinger dabei aber gleich geblieben. „Es kommen mehr Patienten aus den umliegenden Städten, was man auf die gute individuelle Betreuung und die überschaubare Hausgröße zurückführe. „Hier gibt es eine sehr gute Kommunikation untereinander, was die Menschen nur allzu gern wahrnehmen und sich für uns entscheiden.“. Patienten mit einer so langen Anreise wie bei Herrn Kappenberger, da ist Dr. Waleczek überzeugt, werden aber sicherlich die Ausnahme bleiben.