Sturzprophylaxe: Telefonaktion mit Dr. Hagen

Die Zahlen sind ebenso erschütternd wie alarmierend - und nicht nur die Geriater (Altersmediziner) klagen, dass bei der Vorbeugung zu wenig getan wird: Jeder Dritte Mensch, der älter ist als 65 Jahre, hat statistisch ein hohes Risiko für einen oftmals folgenschweren Sturz.

„Mit zunehmendem Alter steigt die Sturzgefährdung“, erklärt Dr. Olaf Hagen, Chefarzt der Geriatrischen Klinik der Augusta-Kranken-Anstalt in Bochum-Linden. Umfassende amerikanische Studien belegen, dass zehn Prozent aller Notfallbehandlungen und sechs Prozent aller Notfallaufnahmen durch Stürze bedingt sind. „Und diese Zahlen“, so Dr. Hagen, „sind durchaus auf Deutschland übertragbar.“

Zwar ziehen sich nur etwa zehn Prozent der Gestürzten eine größere Verletzung zu, aber ein Prozent dieser Menschen erleide einen Oberschenkelhalsbruch mit all seinen langwierigen Konsequenzen und der Gefahr der Pflegebedürftigkeit. Die Krankenhausdiagnosestatistik zählte im Jahre 2004 in Deutschland 116.000 Schenkelhalsfrakturen, davon über 80.000 bei den über 65 Jährigen „Und  die Hälfte dieser Sturzpatienten fällt sogar mehrmals im Jahr .“

Bei der aktuellen Bevölkerungsentwicklung gibt es immer mehr Senioren, also auch immer häufiger solche Stürze und Verletzungen. Der Sturz wird zumeist durch mehrere Faktoren ausgelöst und ereignet sich oft bei einer normalen körperlichen Verrichtung im Haushalt oder auf der Strasse.  Bei älteren Menschen ist zunehmend die Balance gestört. Und das liegt, so Hagen, an der Beeinträchtigung der Sinneswahrnehmung über Augen, Gleichgewichtsorgan, oder über die Veränderung des Körperschwerpunktes z.B. beim „Witwenbuckel“ (Osteoporose).

Hinzu kommen möglicherweise Sensibilitätsstörungen an den Füßen, die im Alter abnehmende Muskelkraft sowie die (evtl. auch durch Schmerzen) eingeschränkte Beweglichkeit und die verminderte motorische Reaktionsgeschwindigkeit. „Wir können das alles testen“, sagt der Augusta-Chefarzt, „und mittels durchaus einfacher Untersuchungen eine Sturzgefährdung voraussagen.“

Seit Jahren bereits  bietet die Geriatrische Klinik in Kooperation mit der Augusta-Akademie Kurse an, in denen besonders geschulte Physiotherapeuten daran arbeiten, die individuelle Sturzgefährdung zu verringern. Balance, Reaktion  und Mobilität werden dabei spielerisch verbessert. „Das ist enorm wichtig“, so Hagen, „denn mancher Senior schafft es z.B. nicht mehr,  noch bei Grün eine Kreuzung zu überqueren.“

Wer nicht mehr gut gehen kann, nutzt natürlich gern das Auto, wobei aber auch Senioren am Steuer durchaus nicht nur ein Sicherheitsrisiko haben, sondern – mit ihrer eingeschränkten Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit - auch ein solches darstellen (könnten).

Fragen der Leserinnen und Leser zu den Risikoindikatoren sowie einfachen, auch zu Hause durchführbaren  Tests beantworten Dr. Hagen und die Leitende Physiotherapeutin Petra Huintjes am Mittwoch, 27. Oktober, von 14 bis 15 Uhr, in unserer WAZ-Telefonsprechstunde.

„Ambulante Sturzabklärung gibt es in Bochum bisher leider noch nicht“, bedauert der Chefarzt. „Lediglich in unseren Kursen an der Augusta-Akademie bieten wir einen diagnostischen Check an.“ Inzwischen sei die Volkshochschule (VHS) Hattingen auf diese Sturzprophylaxe-Kurse aufmerksam geworden und wird sie wohl bald selbst anbieten. „Zu wünschen wäre“, so Dr. Hagen, „dass auch die Bochumer VHS den alten Menschen ein solches Angebot macht.“