LUNGENENTZÜNDUNG – EIN HÄUFIGER AKUTER NOTFALL

Lungenentzündungen sind unverändert gefährlich und fordern bis heute prominente Opfer: Fürst Rainier von Monaco, Beate Uhse, Leonard Nimoy („Mister Spock“), um nur drei von ihnen zu nennen.

Tatsächlich ist die Lungenentzündung in unserer Gesellschaft die häufigste zum Tode führende akute Infektionserkrankung. Etwa jeder sechste Patient mit Lungenentzündung, der stationär aufgenommen wird, verstirbt. Bei einer Häufigkeit von etwa drei Fällen pro 1.000 Personen im Jahr ergeben sich jährlich etwa 25.000 bis 30.000 Todesfälle.

Die Erreger, die zur Lungenentzündung führen, werden überwiegend durch die Luft  durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Im Herbst und Winter hat die Erkrankung Hochkonjunktur, zeitlich oft verbunden mit der Grippe.

Was geschieht bei einer Lungenentzündung ? Die Erreger, meist Bakterien, aber auch Viren, befallen Atemwege und Lungengewebe. In der Folge kommt es zu einer Immunreaktion des Körpers, der Entzündung, die zu einer Störung der Hauptfunktion der Lunge, des Gasaustausches, führt. Darüber hinaus kann es dazu kommen, dass die Entzündung nicht auf die Lungen beschränkt bleibt, sondern zusätzlich eine schwere Kreislaufstörung  bewirkt (entzündlicher „Schock“). Das daraus sich ergebende Versagen der Lunge und anderer Organe macht die Gefährlichkeit der Lungenentzündung aus.

 Die entsprechenden Symptome sind Fieber, Husten und Auswurf, Luftnot, Krankheitsgefühl, Verwirrtheit sowie manchmal auch Kopf-, Glieder-, Muskelschmerzen und Durchfall. Besonders gefährdet sind ältere Menschen (ab 50 Jahren), Menschen mit Grunderkrankungen (z.B. Herzschwäche, Raucherlunge, Diabetiker) sowie bettlägerige Menschen. Allerdings kann sich jeder Mensch zu jeder Zeit eine Lungenentzündung zuziehen, und auch junge und ansonsten gesunde Menschen können daran sterben !

Entscheidend ist die frühe Erkennung der Lungenentzündung und ihres Schweregrades sowie die umgehende Gabe der richtigen Antibiotika. In der Regel kann eine Lungenentzündung nur durch ein Röntgenbild der Lunge diagnostiziert werden. Die Bestimmung des Schweregrades ist heute mit einfachsten Mitteln möglich. Leichtgradige Verläufe (etwa 20-30% der Fälle) können ambulant behandelt werden. Alle anderen sollten zumindest anfangs stationär aufgenommen werden. Fünf bis zehn Prozent davon benötigen eine Intensivtherapie.

Die antibiotische Therapie orientiert sich am Schweregrad und den individuellen Risikofaktoren:. Je schwerer die Lungenentzündung , desto schneller muss gehandelt werden. Zeit rettet auch hier Leben – ganz analog zum Herzinfarkt und zum Schlaganfall.

Tückisch ist, dass sich besonders bei älteren Patienten mit Grundkrankheiten die Lungenentzündung symptomarm bzw. atypisch zeigen kann. Mitunter stellt man z.B. nur akute Verwirrtheit fest. Ebenso tückisch ist, dass die Auswahl einer falschen antibiotischen Therapie zu einer Verringerung der Überlebenschance führt, die auch nach Korrektur nicht mehr vollständig ausgeglichen werden kann.

Daher gilt, dass die Behandlung der Lungenentzündung als häufiger akuter Notfall den Regeln folgen muss, die in der nationalen Leitlinie der höchsten Qualitätsstufe niedergelegt sind, die wir zusammen mit anderen führenden Lungen- bzw. Infektionsexperten verfasst und jüngst neu aufgelegt haben.

Was kann man nun tun, um sich vor einer Lungenentzündung zu schützen? Die „goldenen Regeln“ der Ärzte gelten auch hier: Gesund leben, kein übermäßiges Essen und Trinken, kein Rauchen, regelmäßige Bewegung. Alle Personen über 60 Jahre und vor allem solche mit Risikofaktoren sollten jährlich gegen die Grippe (Influenzavirus) sowie einmalig gegen Pneumokokken als häufigste Erreger der Lungenentzündung geimpft werden. Pneumokokken sind Killer. Ihre Gefährlichkeit kann nicht genug betont werden. Daher wird eine Impfung auch von uns nachdrücklich empfohlen.

Übrigens: Deutschland ist seit einigen Jahren international ganz vorne in der Lungenentzündungs-Forschung. Das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) großzügig geförderte Kompetenznetzwerk ambulant erworbene Pneumonie (CAPNETZ) hat mit großem Erfolg ein Forschungsprogramm aufgelegt, das sowohl klinische Fragestellungen als auch Grundlagenforschung umfasst.  Das Thoraxzentrum Ruhrgebiet (Augusta Bochum/ EvK Herne) und die Abteilung für Pneumologie des Bergmannsheils sind Teil dieses Netzes.

Prof. Dr.med. Santiago Ewig, Thoraxzentrum Ruhrgebiet, Kliniken für Pneumologie und Infektiologie, Augusta-Kranken-Anstalt Bochum und Evang. Krankenhaus Herne