Augusta geht voran bei der Selbsthilfe

Prof. Dr. Dirk Bokemeyer, Chefarzt der Klinik für Nieren-und Hochdruckkrankheiten am Augusta, brachte es auf den Punkt. „Selbsthilfegruppen helfen, Ängste zu überwinden und mit der Krankheit besser klar zu kommen.“ Und weil das so ist, sollen Krankenhäuser, soll das ganze Gesundheitswesen selbsthilfefreundlicher werden.

Die Augusta-Kranken-Anstalt geht in Bochum auf diesem Weg voran. Seit dem 19. Januar 2010 ist das Haus erster Partner des Projektes „Selbsthilfefreundlichkeit im Gesundheitswesen NRW“ und wird nun die bereits bestehende Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen festigen – aber auch neue Kooperationen anregen und beginnen.  Zum Auftakt gab es eine moderierte Gesprächsrunde mit Chefärzten, Pflegekräften und einigen Vertretern der 240 Bochumer Selbsthilfegruppen.

Alle Beteiligten sollen ab sofort „ins Boot“ geholt werden, um die Zusammenarbeit der Medizinprofis und der engagierten Laien nicht vom Engagement Einzelner abhängig zu machen. Prof. Bokemeyer, der seit vielen Jahren mit einer Selbsthilfegruppe eng kooperiert, räumt durchaus ein, dass es noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt, dass solche Kooperationen auf viele Schultern verteilt werden sollten, um möglichst effektiv zu sein.

Im Gespräch wurde angemerkt, dass es an der Systematik mangelt. Deshalb gebe es jetzt Kooperationsvereinbarungen mit Unterschriften der Verantwortlichen, „Damit wird dokumentiert“, so Christa Steinhoff-Kemper (Agentur Selbsthilfefreundlichkeit West und Projekt Selbsthilfefreundliches Gesundheitswesen NRW), „dass die Zusammenarbeit gewünscht ist und von den jeweilig Verantwortlichen auch getragen wird.“ Besonders positiv sei dabei, dass ja die Gruppen „ihre Erfahrungen in die Krankenhäuser zurückgeben könnten“ und damit alle etwas von der Zusammenarbeit haben.

Annegret Hintz-Düppe, Zentrale Pflegedienstleitung der Evangelischen Stiftung Augusta als Trägerin von drei Krankenhäusern in Bochum und Hattingen, ist nun auch Selbsthilfe-Beauftragte der Stiftung. Sie wird die Menschen schulen und zentrale Ansprechperson sein. „Die Mitarbeiter müssen lernen, auf Selbsthilfegruppen zu verweisen. Dort finden die Patienten Hilfe und Unterstützung, weil sie dort ‚Experten in eigener Sache‘ finden.“

Als Selbsthilfe-Vertreter standen Dieter Nowak (Adipositas, BO-Linden), Hans-Dieter Rutkowski (Prostata, Bochum und Herne) und Martin Schade (Dialyse, Nierentransplantierte) Rede und Antwort. Von der BKK vor Ort, die das Selbsthilfeprojekt federführend unterstützt, war Susan Möllers anwesend. Sie ist für innovative Projekte zuständig.

Der Paritätische und die Bochumer Selbsthilfe-Kontaktstelle ( Tel.: 5880707, www.selbsthilfe-bochum.de) sind ebenfalls mit dabei. Dieses Projekt, das in der Nachfolge eines geplanten Qualitätssiegels steht, wird auch vom Bundesverband der BKK gefördert.