"Mangelernährung bekämpfen"

Für Ärzte und Pflegekräfte ist es ein immerwährendes Problem, das zudem immer dringlicher wird. Mangelernährung und Wundheilungsstörungen, sind ein unangenehmes „Pärchen“, das sich ergänzt und bedingt. Im Augusta in Linden arbeiten Experten, die das Problem kennen, das bereits jetzt lange Schatten voraus wirft, weil die Menschen immer älter werden und schon jetzt viele Menschen mangelernährt sind.

Über die Grenzen medizinischer Fachbereiche und auch über die geografischen Grenzen hinaus informieren deshalb am 2. September Spezialisten ihre niedergelassenen Kollegen in einer gemeinsamen Veranstaltung der Ärztegruppe Bochum-Linden-Dahlhausen, der Augusta-Kranken-Anstalt in Bochum-Linden und des Evangelischen Krankenhauses Hattingen (EvK) zu diesem eminent wichtigen Thema.

Die Mediziner treffen sich im Restaurant „Diergardt's Kühler Grund“ in Hattingen, um das Thema zu beleuchten und zu diskutieren – und damit das Wissen um die Zusammenhänge zu verbessern. „Wundheilungsstörungen und Mangelernährung sind zwei medizinische Probleme, die sehr oft gemeinsam auftreten“, sagt Dr. Olaf Hagen, Chefarzt der Medizinisch-Geriatrischen Klinik der Augusta-Kranken-Anstalt in Bochum-Linden.

Aber nicht nur Mediziner sollten etwas über dieses Thema wissen. Davon betroffen seien nämlich vor allem hochbetagte, mehrfach erkrankte und pflegebedürftige Menschen, die aufgrund ihrer geringen Mobilität  bzw. Beweglichkeit einem hohen Decubitusrisiko (Durchliegen, Druckgeschwüre, Hautverletzungen) ausgesetzt sind. In diesem Zusammenhang spielt die Mangelernährung nicht nur in der Entstehung der Krankheit, sondern auch in der Wundheilung eine ganz wichtige Rolle.

„Nach Schätzungen des medizinischen Dienstes“, so Prof. Dr. Andreas Tromm vom EvK Hattingen, „leiden etwa 1,6 Mio. der über Sechzigjährigen in Deutschland unter chronischer Mangelernährung.“ Bezüglich der Häufigkeit des Decubitus mangele es aber auf nationaler Ebene noch an verlässlichen Daten. Geschätzt werde eine Häufigkeit von etwa 30 Prozent in geriatrischen Kliniken und Altenheimen. Thomas Jeromin, Oberarzt am Augusta und Mitglied der Wundmanagementgruppe des Hauses, wird deshalb ein innnovatives Wundmanagement und moderne Behandlungsmethoden vorstellen.

Man wird über das Zusammenwirken der beiden Problemfelder sprechen und Optionen für eine interdisziplinäre Therapie eröffnen. Referieren wird u.a. Dr. Rainer Wirth, Chefarzt der Geriatrischen Klinik des St. Marien-Hospitals Borken. Er arbeitet mit an der Erstellung einer Leitlinie zum Thema Ernährungsoptimierung und wird auch dazu referieren.

Das Übergewicht und seine schwerwiegenden Auswirkungen auf das deutsche Gesundheitssystem seien immer wieder in den Schlagzeilen der Presse zu finden, aber das Gegenteil bleibe weitestgehend unbeachtet. Dabei werde bei bis zu 56 Prozent der Patienten Mangelernährung festgestellt. Und: Unabhängig von der Fachdisziplin sind rund ein Viertel der Patienten schon bei der Aufnahme ins Krankenhaus mangelernährt. Dies wurde in einer großen deutschlandweiten Studie im Jahr 2006 festgestellt.

„Die Folgen der Mangelernährung sind vielfältig“, so der ehemalige Augusta-Chefarzt Dr. med. Hans-Otto Müller. „Die Krankheit verläuft schlechter, krankheitsbedingt schwinden Muskeln und zuweilen sind Krankenhausverweildauer und Sterblichkeit erhöht.“. Vielfältige Studien zeigen, dass Mangelernährung und deren negative Folgen durch eine gezielte Ernährungstherapie verhindert bzw. behoben werden können. „Dieses komplexe Thema“, so Dr. Hagen, „wird uns in den nächsten Jahren noch enorm beschäftigen.“