Schmerzfrei nach Bandscheibenvorfall
durch kleinen Eingriff in lokaler Betäubung:
80 % der Patienten sind zufrieden nach endoskopisch gestützter Nukleotomie

Bandscheibenvorfälle gehören in unserer Gesellschaft zu den häufigsten Krankheiten. Sie können leider durchaus zu Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung führen. Eine neue, innovative Operations-Technik, die seit kurzem von Dr. Peter-Dietmar Platzek und Dr. Stefan Heidersdorf im Evangelischen Krankenhaus angeboten wird, ist geeignet bei Bandscheibenvorfällen zu helfen.

In den letzten Jahren ist man gegenüber operativen Eingriffen an der Wirbelsäule kritischer geworden, denn auch bei den heute üblichen, minimalinvasiven Eingriffen besteht ein Rest-Risiko für Nervenverletzungen, Entzündungen und Bildung von Narbengewebe im Operationsgebiet, welche zu dauerhaften Schäden führen können.

„Aber trotz intensiver konservativer Therapie mit physikalisch krankengymnastischen Maßnahmen, Akupunktur, Medikamenten und wirbelsäulennahen Injektionen“, so Dr. Heidersdorf, „leiden nicht wenige Patienten nach Ausschöpfung aller Möglichkeiten unter einem quälenden Rückenschmerz mit Ausstrahlung in die unteren Extremitäten.“ Ein operativer Eingriff sei dann häufig unumgänglich. Neben der minimalinvasiven  Operation hat sich in den letzten zehn Jahren ein neues Verfahren etabliert – die perkutane, endoskopisch gestützte Nukleotomie.

„Dieser Eingriff kann bei geschlossenen Bandscheibenvorfällen helfen“, erläutert der Mediziner, „bei denen der die Bandscheibe umgebende Faserring noch nicht durchbrochen ist.“  Und das funktioniert so: Unter präziser Röntgenkontrolle wird eine dünne Hohlnadel durch die Haut (perkutan) seitlich in die Wirbelsäule bis in die betroffene Bandscheibe (natürlich nicht in den Rückenmarkskanal!!) eingeschoben.  Dort wird das vorgewölbte Bandscheibenstück mit einer Mikrozange entfernt (Nukleotomie), anschließend überschüssiges Bandscheibengewebe mit Radiowellenenergie verdampft.

Dies geschieht mit Hilfe von Radio-Hochfrequenzwellen im Bereich von 1,5 Megahertz. „Je höher die Frequenz ist“, erläutert Heidersdorf, „desto schonender ist die Operation.“ Dadurch schrumpft die Bandscheibe, verkleinert sich – und drückt nicht mehr auf die Nerven. Dieser Eingriff wird in lokaler Betäubung durchgeführt, eine Vollnarkose ist nicht notwendig. Dadurch dass der Spinalkanal bei diesem Verfahren nicht eröffnet werden muss, ist das Risiko auf ein Minimum reduziert. Und ein weiterer Vorteil: Schon wenige Stunden nach dem Eingriff kann der Patient selbstständig aufstehen und im Regelfall nach drei bis fünf Tagen das Krankenhaus verlassen.

Die Sicherheit und Wirksamkeit dieser minimal invasiven und nur wenig belastenden Operationstechnik wurde bei mehr als 50.000 endoskopischen Eingriffen weltweit eindrucksvoll bewiesen. In Deutschland wurde dieses Verfahren von Dr. Stefan Hellinger, dem leitenden Arzt der Isar Klinik München, mitentwickelt. Dr. Peter-Dietmar Platzek und Dr. Stefan Heidersdorf arbeiten intensiv mit der Münchener Klinik zusammen.

Deshalb können sie dieses innovative Verfahren nun auch ihren Patienten im Evangelischen  Krankenhaus anbieten. Die Erfolgschancen bei dieser vergleichsweise winzigen Operation sind sehr hoch. Über 80% der damit behandelten Patienten äußern sich sehr zufrieden über das Ergebnis. Erfreulich ist zudem, dass die Kosten für diesen Wirbelsäulen-Eingriff auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.

Technisch wird die Operation mit Geräten und Instrumenten der Firma Spine Innovation durchgeführt, die das Know How aus München umgesetzt hat. Stefan Seeger (rechts im Bild) Key Account Manger von Spine Innovation, stellte das Material Dr. Heidersdorf (li.) persönlich in Hattingen vor.