Ganz nah dran

Sie sind sehenswert, die Bilder von Julia Baier. Gestern wurde im Augusta-Seniorenheim Am Kesterkamp in Linden die bemerkenswerte Ausstellung „Ein neuer Blick auf die Pflege“ eröffnet. Pflegende und Pflegebedürftige versammelten sich zur Eröffnung.

Annegret Hintz-Düppe, zentrale Pflegedienstleiterin der Evangelischen Stiftung Augusta, holte die noch „frische“ Wanderausstellung des Bundesministeriums für Gesundheit erstmals nach Bochum. Die Bilder sind beeindruckend nahe an den alten Menschen und ihrem Leben im Heim. Die Protagonisten haben Julia Baier nahe an sich herangelassen. Die Kamera muss unaufdringlich gewesen sein, denn die Motive wirken, als ob die Fotografin ihr nahes Umfeld, ganz Vertrautes abgelichtet hätte.

Baier zeichnet mit ihrer Kamera ein authentisches Bild vom Alltag Pflegebedürftiger in Deutschland, auch wenn die Bilder ausschließlich in Berliner Einrichtungen entstanden sind. Als sie die Fotografin beauftragte, ging es Ministerin Ulla Schmidt darum, daran zu arbeiten, dass „Pflege als selbstverständlicher Bestandteil des … Lebens verstanden wird.“

Heidemarie Rotschopf von der Diakonie im Rheinland und Westfalen bilanzierte in ihrer Eröffnungs-Rede den Stand der Dinge in der Pflege nicht gerade positiv: „Die Personalschlüssel sind zu gering, die Bezahlung zu niedrig und die Belastungen zu groß.“ Und es gebe nur in wenigen Einrichtungen echte Personalentwicklungskonzepte. Dennoch, so fügte sie an, würden die weitaus meisten Pflegekräfte „diesen Beruf erneut wählen. Es muss also etwas dran sein an der Pflege.“

Die Ausstellung, die bewusst auf mobilen Stellwänden gezeigt wird,  ist noch bis zum 30. September zu sehen. Die Stellwände auf Rollen erlauben es, die Ausstellung auch auf die einzelnen Etagen des Hauses „wandern“ zu lassen.