Schwestern treffen sich 40 Jahre nach dem Examen

Zurück in die Augusta-Kranken-Anstalt zog es neun Krankenschwestern, die in der Krankenpflegeschule des Augusta vor exakt 40 Jahren ihr Examen abgelegt haben. Im Gespräch und in der Personalcafeteria lachend über Bilderalben gebeugt erinnerten sich die gestandenen Pflege-Expertinnen an die damals noch sehr harte Ausbildungszeit.

Die „Hausherrinnen“ waren Diakonissen. Und die waren streng:  Das Wohnheim war mit zwei Schlössern gesichert. Für ein Schloss hatten auch die jungen Frauen einen Schlüssel. Das zweite Schloss allerdings konnten nur die Ausbilderinnen öffnen – und das war ab 22 Uhr unweigerlich verriegelt.

Doris Somniah (geb. Schmidt), die viele Jahre im afrikanischen Ghana arbeitete, erinnert sich, dass ihr Bruder dieses zweite Schloss einmal mit einem Streichholz lahmlegte, „damit wir etwas länger draußen bleiben konnten.“ Irgendjemand hatte gepetzt – und als vermeintliche Täterin musste Doris von ihren mageren 70 Mark Ausbildungsvergütung  ein neues Schloss kaufen.

Kein Wunder, dass die frisch Examinierten den weißen Kittel kurzfristig gegen das „kleine Schwarze“ tauschten - und im Rahmen einer feierlichen „Feuerstunde“ große Teile ihrer Hefte und Notizen den Flammen übergaben. Gelacht, das bestätigten die Damen alle,  wurde aber auch damals schon viel.

Das Treffen organisiert hatte Marianne Schlüter (geb. Hartke), die heute in Holzwickede arbeitet. Viele ihrer Mitschülerinnen, die überwiegend aus dem Ruhrgebiet stammten, hat es nach dem Examen nach Berlin, Stuttgart, Kassel  und Hamburg gezogen. Am Augusta blieb keine. Aber das war in allen konfessionellen Häusern so.

„Freie Schwestern“, so erinnern sich die erfahrenen Pflegefachkräfte, „blieben nie in den kirchlichen Häusern.“ Das lag an der Allmacht der Diakonissen im Hause. „Berufliches Weiterkommen war unter solchen Umständen unmöglich.“  Das bestätigt auch Annegret Hintz-Düppe, die zentrale Pföegedienstleiterin der Ev. Stiftung Augusta, deren Examen (an gleicher Stelle) beinahe ebenso lange zurückliegt wie das der Kolleginnen. Sie zeigte den staunenden Besucherinnen das Haus, das sich seit 1969 massiv verändert und vergrößert hat.

Sie alle erinnerten sich auch an die Pflegevorschule, die praktisch die Zeit zwischen dem Volksschulabschluss (mit 14 Jahren) und dem Beginn der Ausbildung abdeckte. „Manche haben in dieser Zeit nur geputzt“, erzählt eine der Schwestern. „Nur hier in Bochum konnten die jungen Frauen schon Erfahrungen im Krankenhaus sammeln.“ Die alte Pflegevorschule des Augusta wurde vor anderthalb Jahren abgerissen. Dort steht bereits das große, neue Gesundheitszentrum Bochum.