Sicherheits-Checkliste Chirurgie am EvK eingeführt und vorgestellt

Das falsche Bein amputiert, das falsche Knie gespiegelt, eine Klemme im Körper gelassen – oder - wie an der Uni Hannover - den falschen Lungenflügel entfernt. Das sind die “Unfälle” im OP, die - leider - hin und wieder die Boulevard-Presse beschäftigen. Es gibt allerdings auch weniger spektakuläre Fehler, die in einer hektischen Zeit, einem immer belasteteren Berufsalltag hier oder da passieren.

„Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt aktuell allen Krankenhäusern im Rahmen ihrer globalen Initiative für Patientensicherheit“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Helfried Waleczek, Chefarzt der Chirurgie am Evangelischen Krankenhaus Hattingen (EvK), „die Anwendung einer neue Checkliste, deren weltweite Testphase eine erfreuliche Reduzierung von Komplikationen und Todesfällen erbrachte.“ Das EvK, so Waleczek, wird diese brandneue Checkliste mit allen an Operationen beteiligten Abteilungen als eines der ersten Häuser bundesweit umsetzen.

Geschätzte 234 Mio. Operationen, so Dr. Waleczek, werden weltweit jährlich durchgeführt. Komplikationen sind möglich – und oft vorhersehbar. Mit der 19 Punkte umfassenden Chirurgischen Sicherheits- Checkliste (Surgical Safety Checklist) will die WHO diese Komplikationen minimieren.

Zwischen Oktober 2007 und September 2008 wurde die Checkliste in acht Krankenhäusern in acht Großstädten (Toronto, Neu Delhi, Amman, Auckland, Manila, Ifakara /Tansania London und Seattle) von der WHO getestet. Man wollte zunächst einmal feststellen, wie hoch die Rate der Komplikationen (einschließlich Tod) innerhalb der ersten 30 Tage nach der OP war.
Das Ergebnis war brillant: Die Todesrate (vorher 1,5%) wurde reduziert auf 0,8%, die Komplikationsrate von 11% auf 7%. Noch beeindruckender wird es, wenn man diese Quoten hochrechnet auf die oben erwähnten 234 Mio. Operationen: Das wären gut 1,6 Mio. weniger Todesfälle und 9,36 Mio. weniger Komplikationen.

Dabei ist es eine ganz einfache Checkliste, die an drei Punkten einfache Kontrollen etabliert. Alle Beteiligten nehmen sich eine kurze Auszeit, überprüfen die Situation noch einmal kurz:

  1. Vor der Narkose
    hier z.B.: Identität des Patienten, welche Seite, welcher Bereich soll operiert werden..
  2. Vor dem ersten Schnitt
    hier z.B. sind die richtigen Bilder vorhanden, wo könnte es Probleme geben…
  3. Bevor der Patient den OP verlässt
    hier z.B.: Sind alle Instrumente wieder entfernt worden..?

„Die Sicherheit der Patienten ist das höchste Gut in unserem Hause“, sagt Dr. Waleczek. „Insofern ist es für uns ein sehr großes Bedürfnis, diese WHO-Empfehlung unmittelbar in die Tat umzusetzen.“

Kontakt:
Priv.-Doz. Dr. Helfried Waleczek – Tel. 02324-502-216

Infos aus dem renommierten New England Journal of Medicine
“A Surgical Safety Checklist to reduce Morbidity and Mortality”
Link  zum Artikel vom 14. Januar 2009:
http://content.nejm.org/cgi/content/short/NEJMsa0810119
In diesem Abstract der Wissenschafts-Fachzeitschrift steht das Wesentliche.

Federführend bei der WHO in Genf ist Sir Liam Donaldson,
Chair of WHO World Alliance for Patient Safety - World Health Organization