EvK-Mitarbeiter operieren kostenlos afghanische Kinder

Ein ungeheueres Gewimmel und Gewusel war das an diesem Mittag in der Ambulanz der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG) des Evangelischen Krankenhauses (EvK): Sieben afghanische Kinder hatten sich am Donnerstag mit ihren Gastfamilien in der Wartezone versammelt, um sich für eine kostenlose Operation vorzustellen.

MKG-Chefärztin Dr. Jihan Mohasseb und Dr. Gerhard Schlosser, Chef der Klinik für Anästhesiologie untersuchten an diesem Mittag die kleinen Patientinnen und Patienten ein erstes Mal für die OP ihrer Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten. Diese Fehlbildung ist sehr häufig und wird in Europa schon sehr früh operiert. MKG-Mitarbeiterinnen verteilten schon vorher Plüschtiere an die Kinder, um deren Scheu und Ängste zumindest etwas zu mildern.

80 Kinder waren am vergangen Freitag aus Afghanistan in Hamburg angekommen. Im Zentrum des Deutschen Roten Kreuzes in Sprockhövel begrüßten später ehrenamtliche Mitarbeiter 25 der kleinen Patienten, die dann auf ihre Gastfamilien verteilt wurden, die im sehr weiten Umkreis wohnen: Es hatten sich auch Familien aus Remscheid, Herdecke und Essen gemeldet.

Der offenkundig schwerste Fall  ist die kleine Kainat, deren Alter mit 18 Monaten angegeben wurde. Gastmutter Kerstin Rübeling aus Herdecke geht aber – wie Dr. Schlosser auch – davon aus, dass das Mädchen noch nicht so alt ist. Sie hat eine noch ganz offensichtliche Fehlbildung – und die Gastmutter bekam den klaren Auftrag, die Kleine erst einmal aufzupäppeln, bevor an eine Operation gedacht wird. Alina und Elaia sind weitere Pflegekinder von Frau Rübeling.

Oliver Jungjohann war für „ju care Kinderhilfe“ mitgekommen, um auch im Krankenhaus zu vermitteln und die Kontaktaufnahme zu erleichtern. „Ju care“ arbeitet ehrenamtlich und vollständig nichtkommerziell für humanitäre Hilfsorganisationen, hatte in diesem Fall die Luftbrücke organisiert und zeichnet für die OP-Begleitung verantwortlich. Die sehr junge Dolmetscherin Shahar Bano reißt die Sprachbarriere nieder.

Jungjohann erzählte, dass es einen Jungen mit einem sichtbar großen Tumor am Auge gegeben habe, der immer „Au“ gesagt habe. Dass der Junge Schmerzen haben könnte, sahen alle Beteiligten ein – aber es war ein Missverständnis, das sich glücklicherweise schnell aufklärte: „Au“ ist das afghanische Wort für „Wasser“. Der kleine Mann hatte einfach nur Durst.

Dr. Jihan Mohasseb und Dr. Gerhard Schlosser werden die Kinder kostenlos operieren. Das EvK wird nur den Sachaufwand berechnen und engagierte EvK-Mitarbeiter stellen sich in den Dienst der guten Sache, indem sie Überstunden oder Freizeit für diese humanitären Operationen „spenden“.