Florian Brinkmann aus der Augusta-EDV
programmierte eine Kommunikations-Plattform fürs Palliativnetz

Bei der Versorgung von Palliativpatienten ist die übergreifende Kommunikation zwischen Ärzten, Pflegediensten, Apotheken und stationären Einrichtungen von höchster Bedeutung.
Im Raum Bochum profitieren Palliativpatienten von einer EDV, die diese Kommunikation ermöglicht. Mittels einer zentralen Dokumentationsdatenbank, deren Struktur eine spezialisierte elektronische Patientenakte darstellt, stehen alle relevanten Patienteninformationen jederzeit zur Verfügung. Ein wichtiger Aspekt bei der 24-Stunden-Bereitschaft des Palliativnetzes Bochum, das ausschließlich Zugriff auf die Datenbank hat. Mit Klaus Blum vom Palliativnetz Bochum, Thomas Althoff von der Ärztekammer Westfalen-Lippe und Prof. Dr. Frank Ückert vom Münsteraner Institut für medizinische Informatik wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die die kontinuierliche Weiterentwicklung des Projektes sichern und den Weg zur Telematik- Infrastruktur NRW vorzeichnen soll. Gefördert wird das Vorhaben durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen.

Am 21. Dezember 2009 übergab Minister Karl-Josef Laumann im Hospiz St. Hildegard den Bewilligungsbescheid an die Projektgruppe.

Am Beispiel des Palliativnetzes Bochum soll langfristig eine Dokumentations- und Kommunikationsplattform für Palliativnetze in Nordrhein-Westfalen geschaffen werden. Bei der Bereitstellung der Patienteninformationen wird weitestgehend auf standardisierte Technik zurückgegriffen sowie eine einfache und zeitökonomische Befund- und Verlaufsdokumentation ermöglicht.

Hintergrundinformationen zum Projekt:

Entwickelt wurde das Projekt von Klaus Blum, einem zum Palliativnetz gehörenden Mediziner, in intensiver Zusammenarbeit mit der IT-Abteilung der Augusta-Kranken-Anstalt und dem dort tätigen Programmierer Florian Brinkmann seit dem Herbst 2007.
Im April 2008 begann zunächst der palliativärztliche Dienst mit der ersten Version die routinemäßige Dokumentation der neu aufgenommenen Palliativpatienten. Erfasst werden u.a. Stammdaten, sozialmedizinische Informationen, Diagnosen, Befunde, Symptome und Therapien. Arztbriefe und andere Patientendokumente können durch Upload integriert werden. Eine halbautomatische Arztbriefschreibung erleichtert die Kommunikation mit den betreuenden Haus- und Fachärzten.

Die Weiterentwicklung dieser ersten Version führte 2009 zu einer Umstrukturierung der Verlaufsdokumentation, zur Integration der externen Qualitätssicherung sowie praktischer Verbesserungen. Diese zweite Version gilt es im Rahmen der „Speziellen ambulanten Palliativversorgung“ (SAPV) und im Hinblick auf die bei der Versorgung von Palliativpatienten notwendige übergreifende Kommunikation zwischen Ärzten, Pflegediensten, Apotheken, stationären Einrichtungen etc. noch professioneller zu gestalten.

Dazu teilte das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales mit:

Minister Karl-Josef Laumann: „Schwerstkranke Menschen optimal versorgen!“ / Elektronische Patientenakte in der Palliativmedizin/Land fördert Pilotprojekt in Bochum mit 200.000 Euro

In Bochum soll eine elektronische Patientenakte zur optimalen Versorgung schwerstkranker Menschen entwickelt werden. Das Projekt hat bundesweiten Modellcharakter für die Anwendung modernster Informations- und Kommunikationstechnologien in Palliativnetzen. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann fördert das Projekt der Ärztekammer Westfalen-Lippe und des Palliativnetzes Bochum mit knapp 200.000 Euro.

„Das Palliativnetz in Bochum verbindet schon heute alle an der Versorgung Beteiligten. Mit diesem Projekt gehen wir aber noch einen entscheidenden Schritt weiter. Denn die elektronische Patientenakte liefert Ärzten, Therapeuten, Krankenhäusern und Pflegekräften alle zur Behandlung notwendigen Informationen auf dem aktuellsten Stand.“ Das sagte Minister Laumann heute (21. Dezember 2009) in Bochum bei der Übergabe des Förderbescheides.

Laumann verspricht sich von dem Projekt „Informationssystem palliativcare.nrw“ eine bessere Versorgung und schmerzmedizinische Behandlung schwerstkranker und sterbender Menschen. Es könne außerdem helfen, unnötige Krankenhauseinweisungen zu vermeiden und gewährleisten, dass im Notfall qualifizierte Ärzte schnell verfügbar sind.

Bei dem Bochumer Projekt – so der Minister weiter – komme modernste Technik zum Einsatz, um die Kommunikation und Dokumentation zu unterstützen. Minister Laumann: „Wir sammeln aber nicht nur Erfahrungen beim Einsatz neuer Technologien in der palliativmedizinischen Versorgung. Darüber hinaus erwarte ich auch Empfehlungen für den Einsatz in anderen gesundheitlichen Handlungsfeldern.“

Das „Informationssystem palliativcare.nrw“ sei damit ein wichtiger Baustein der Landesinitiative „eGesundheit.nrw“. Diese unterstreiche die Vorreiterrolle Nordrhein-Westfalens beim Einsatz neuester Informations- und Kommunikationstechnik im Gesundheitswesen, sagte der Minister.

Unter der Überschrift „eGesundheit.nrw“ bündelt das Land eine ganze Reihe von Aktivitäten, Projekten und Initiativen. Dazu gehören insbesondere die Abstimmung von Standards und Vorgaben für einrichtungsübergreifende elektronische Patientenakten, die Entwicklung von Ausgabemodellen zum Einsatz elektronischer Heilberufs- und Berufsausweise sowie die Einführung und Erprobung der elektronischen Gesundheitskarte in der Testregion Bochum- Essen. Schulungs- und Beratungsangebote sowie das Landesgesundheitsportal „Gesundheit.nrw“ und weitere Internetportale zu gesundheitsspezifischen Themen vervollständigen die Initiative.

Weitere Informationen zur Landesinitiative „eGesundheit.nrw“ gibt es auf der Internetseite

www.eGesundheit.nrw.de