Die Inder kommen - und Raja Ray ist schon da

Die Inder kommen – und der erste ist schon ein paar Tage da: Massagetherapeut und Yogalehrer Raja Ray kam schon vor Ostern in Hattingen an und gewöhnt sich nun an seine neue Umgebung.

Die Verwaltungsmitarbeiterinnen Sabine Klobussek und Miriam Jung haben den jungen Mann unter ihre „Fittiche“ genommen und helfen ihm, die ersten schweren Tage allein in einem fremden Land zu meistern.

Raja wohnt im benachbarten Wohnheim der Evangelischen Stiftung Augusta und ist dort Selbstversorger. In Hattingen hat er sich bereits ein wenig umgesehen und war begeistert von den Fachwerkhäusern. „Ja“, sagt er, „ich fühle mich wohl hier.“

„Leben heißt, in jedem Moment zu lernen“, sagt der gerade einmal 27 Jahre alte Therapeut, den die Menschen im EvK vom ersten Moment an wegen seines sympathischen und offenen Wesens in ihr Herz geschlossen haben. Er wurde im indischen Serampore geboren, einer Stadt mit rund 200.000 Einwohnern nördlich von Kalkutta. Dort ging er auch zur Schule und absolvierte das College, bevor er sich entschloss, Therapeut zu werden. Sein Vater arbeitet bei der Staatsbank.

Die ayurvedische Massage, so kann man im Internet und in der Literatur zu lesen, „ist eine der wichtigsten unterstützenden Therapien im klassischen Ayurveda. Sie dient der Harmonisierung der Körperenergien, regt die Zellerneuerung und die Selbstheilungsprozesse an, reduziert vegetative und stressbedingte Beschwerden, leitet Stoffwechselgifte aus und unterstützt den körperlichen Reinigungsprozess.“  

„Wärme, Kräuteröle und einfühlsame Hände machen das Besondere der ayurvedischen Massage  aus“, erklärt Raja, der sich intensiv mit Anatomie, Physiologie beschäftigt hat. „Der gesamte Körper wird mit bestimmten Bewegungsabläufen massiert und geölt.“ Dabei wechselt der Therapeut zwischen punktuellen Druckmassagen und großflächigen Streichungen oder lässt die Hände kreisen. Massiert wird immer vom Herzen weg in Richtung der Finger oder Zehen.

Diese uralte Massageform basiert auf einem traditionellen medizinischen System. Sie verbessert den Zustand der Haut, die Blutzirkulation und beruhigt Hautreizungen. Eine klassische Abhyanga-Massage stärkt die körperliche Leistungsfähigkeit ebenso wie das Nervensystem, fördert den Zustand des Muskelgewebes und die Ausdauer des Patienten.

„Ayurveda“, sagt Raja Ray, „basiert auf sehr viel Erfahrung und Übung.“ Yoga und die spezielle ayurvedische Massage dienen auch der Befreiung von Lifestyle-Erkrankungen wie z.B. Asthma oder mentalen Problemen. „Und sie dienen der Verjüngung bzw. der Verlangsamung des Alterungsprozesses.“

Dieser Effekt ist sicher bei all seinen zukünftigen Patienten durchaus erwünscht. Mehr jedenfalls, als Raja Rays Einstellung zum Schmerz und zum Tod, die es seiner Ansicht nach erträglich zu gestalten, aber auch zu akzeptieren gelte. „Sterben“, sagt er, „ist wie eine Frau zu küssen.“ Da hat er dem normalen Europäer eine Empfindung voraus.