Sicherheits-Checkliste der WHO wird im Augusta eingesetzt

Checklisten, für Piloten schon immer ein absolutes Muss, sollen jetzt auch in Operationssälen durchgesetzt werden und dort für mehr Sicherheit sorgen. „Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt aktuell allen Krankenhäusern“, erklärt Privatdozent Dr. Benno Mann, Chefarzt der Chirurgie an der Bochumer Augusta-Kranken-Anstalt, „die Anwendung einer neuen Checkliste, deren weltweite Testphase eine erfreuliche Reduzierung von Komplikationen und Todesfällen erbrachte.“

Dr. Mann und sein Chefarztkollege Dr. Holger Hasselbring von der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin haben diese Liste für den Einsatz im Augusta optimiert und aufbereitet und setzen sie nun - mit allen an Operationen beteiligten Abteilungen - landesweit als eines der ersten Häuser ein. Erst Anfang des Jahres hatte das renommierte „New England Journal of Medicine“ berichtet, dass die WHO den Einsatz der Checkliste empfiehlt.

Geschätzte 234 Mio. Operationen, so die beiden Augusta-Chefärzte, werden weltweit jährlich durchgeführt. Komplikationen sind möglich – und oft vorhersehbar. Mit der neuen, 19 Punkte umfassenden Sicherheits-Checkliste (Surgical Safety Checklist) möchte die WHO diese Komplikationen minimieren.

Es handelt sich um eine ganz einfache Checkliste, die an drei Stellen im OP ganz einfache Kontrollen etabliert: Alle Beteiligten nehmen sich eine kurze Auszeit und überprüfen die Situation. Vor der Narkose wird z.B. die Identität des Patienten gecheckt und welche Seite, welcher Bereich operiert werden soll. Vor dem ersten Schnitt wird geprüft, ob die richtigen Röntgenbilder vorhanden sind und wo es Probleme geben könnte. Bevor der Patient den OP verlässt, ist die dritte Kontrolle angesagt, ob z.B. alle Instrumente entfernt wurden und alle Proben-Gefäße korrekt beschriftet sind.

Das falsche Bein amputiert, das falsche Knie gespiegelt, eine Klemme im Körper gelassen, oder den falschen Lungenflügel entfernt. Das sind die unerwünschten “Unfälle” im OP, die - leider - hin und wieder die Boulevard-Presse beschäftigen. Es gibt allerdings auch weniger spektakuläre Fehler, die in einer hektischen Zeit, in einem immer belasteteren Berufsalltag hier oder da passieren können. „Die neue Liste“, fügt Dr. Hasselbring an, „hilft dabei, auch kleinere Pannen zu vermeiden.“

Zur Vorgeschichte muss erklärt werden, dass die WHO die Checkliste zwischen Oktober 2007 und September 2008 an acht Krankenhäusern in acht Großstädten (Toronto, Neu Delhi, Amman, Auckland, Manila, Ifakara /Tansania, London und Seattle) getestet hat. Man wollte feststellen, ob und inwieweit die Anzahl der Komplikationen (einschließlich Tod) innerhalb der ersten 30 Tage nach der OP zu verbessern war.
Das Ergebnis war brillant: Die Todesrate (vorher 1,5%) wurde durch den Einsatz der Checkliste reduziert auf 0,8%, die Komplikationsrate von 11% auf 7%. Noch beeindruckender wird es, wenn man diese Quoten hochrechnet auf die oben erwähnten 234 Mio. Operationen: Das wären gut 1,6 Mio. weniger Todesfälle und 9,36 Mio. weniger Komplikationen.

Geschäftsführer Ulrich Froese ist stolz darauf, dass in dem Vierteljahrhundert seiner Tätigkeit am Augusta noch keine Pannen passiert sind. „Wir legen aber sehr großen Wert darauf“, sagt er, „unseren hohen Sicherheitsstandard mit der Checkliste noch weiter zu optimieren.“ Dr. Hasselbring und Dr. Mann ergänzen. „Die Sicherheit unserer Patienten ist unser höchstes Gut. Insofern war es für uns ein sehr großes Bedürfnis, diese WHO-Empfehlung schnellstmöglich in die Tat umzusetzen.“

Weitere Informationen:
Geschäftsführer Dipl.-Kfm. Ulrich Froese, Telefon: 0234-517-1200
Dr. Holger Hasselbring, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Telefon: 0234-517-2601
Privatdozent Dr. Benno Mann, Chirurgische Klinik,  Telefon: 0234-517-2501