Glücksfall für alle: Sprach- Und KulturmittlerInnen

90 Minuten waren angesetzt für den Besuch der neu ausgebildeten Sprach- und Kulturmittler im Evangelischen Krankenhaus Hattingen. Ein Zeitrahmen, der allerdings bei weitem nicht ausreichte, wie sich schnell herausstellte: Erst nach knapp drei Stunden Führung und Gespräch verließen die ehrenamtlichen „Lotsen“ das Haus. – Und standen dann noch lange vor der Tür und diskutierten weiter.

„Das war eine großartige Veranstaltung bilanziert Bernd Baumhold von der Volkshochschule, „und dieses Gespräch ist noch längst nicht am Ende.“ Wenn ein Chefarzt wie Priv.-Doz. Dr.. Helfried Waleczek zwei Stunden seiner Zeit zur Verfügung stelle und die Gruppe führe, dann sei das ein Glücksfall. Dass es Med in Hattigen gebe, sei Zufall und Glücksfall zugleich. Die Voraussetzungen in Hattingen seien gut. „Jetzt müssen wir aus diesem dichtem Netzwerk perspektivisch eine tragfähige, nachhaltige Arbeit entwickeln.“

Eine achtmonatige Ausbildung haben 15 Freiwillige unter Federführung des Vereins zur Förderung der Ausländerarbeit in Hattingen e.V. (VFA) absolviert. Frank Staacken, der Vorsitzende, war federführend bei der Erarbeitung der Konzeption für die Ausbildung.

Die Mittler sind Menschen mit Migrationshintergrund, die ihre eigene wie die Deutsche Sprache sowie beide Kulturkreise gut kennen und deshalb auch zwischen beiden übersetzen und vermitteln können. Türkisch, Arabisch, Polnisch, Russisch, Spanisch, Französisch und Italienisch werden von den Mittlern abgebildet. Serbokroatisch gibt es - leider – noch nicht. Daran will man aber verstärkt arbeiten.

Das Angebot dieser „Lotsen“, die präzise Sprach- und KulturmittlerInnen heißen, ist kostenlos abrufbar. Sie helfen dabei, Sprachbarrieren niederzureißen bei Gesprächen im Krankenhaus, in der Schule, bei der Sozialhilfe oder der Stadtverwaltung. Dies sind nur einige Beispiele. Im EvK begrüßte Dr. Waleczek neben acht der „Lotsen“ auch Andreas Gehrke von der Freiwilligen-Agentur und Frank Staacken.

Bald, so sagte EvK-Pflegedienstleiterin Eva Kamelita, werde es international Patienten geben in der neuen Abteilung für neurologische Komplementärmedizin. Immer wieder gebe es afghanische Kinder, die stationär im EvK bleiben. Ein Bedarf für die Sprachmittler sei in jedem Fall gegeben. Zumal gerade bei den Kindern eine weiter führende Betreuung manchmal sehr wünschenswert sei.

Einer der Teilnehmer war sehr interessiert, wie denn im EvK mit Moslems umgegangen werde.
Pflegedienstleiterin Eva Kamelita hatte schon vorher dargestellt, dass es natürlich respektiert werde,  wenn ein muslimischer Patient nicht von einer Schwester gewaschen werden wolle. Man spreche dann in der Regel mit den Angehörigen, die das dann selbst erledigen. Musilimische Kost ist hingegen schon  lange Standard im EvK.

Für Gebete gebe es den Raum der Stille, der omnikonfessionell angelegt und ohnehin für alle Religionen gedacht sei. Man sei da aber offen für weitere Anregungen. Das Gespräch mit den Sprach- und Kulturmittlerinnen und -mittlern sei eine willkommene Gelegenheit, die eine oder andere Position zu überprüfen und zu optimieren.

Baumhold sagte, dass dieses Angebot eine Lücke schließen könne. Das Thema selbst sei vor zehn Jahren schon gesehen, aber nicht bearbeitet worden. Es gebe nun ein sehr großes Interesse. Das habe man erkannt und man werde das Angebot weiter ausbauen. „Wir müssen jetzt hier weitermachen“, fasst es Baumhold zusammen. „Wir haben 15 engagierte ehrenamtliche Menschen, wir haben die Interessenten und den Bedarf.“

Und es bahnt sich in der Tat mehr an: Der Moscheeverein wird Dr. Waleczek noch einmal ansprechen wegen des Raumes der Stille. Das Diakonische Werk, das im EvK mit am Tisch saß, wird in Kürze ein Projekt mit Namen „Mimi“ (mit Migranten für Migranten) vorstellen, das sicher an vielen Stellen noch einmal tehamtisiert werden wird. Dabei geht es um interkulturelle Gesundheitslotsen im Kontext „Migration und Gesundheit“.