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Fast 6.000 Brillen: "Durchblick" unmöglich

Jetzt musste alles raus. Und da war jede Menge zu schleppen, denn im Eingangsbereich des Krankenhausfunks, einem Nebenraum der Kapelle, stapelten sich Kartons, war kaum noch ein Durchkommen. Fast 6.000 Brillen wurden von der Seelsorge in der Augusta-Kranken-Anstalt für das Deutsche Blindenhilfswerk (DBHW) gesammelt. "Wir erstickten fast in alten Sehhilfen", lacht der evangelische Pfarrer Hartwig Burgdörfer, freut sich aber, dass so viele Menschen Brillen gespendet haben.

„165 gebrauchte Sehhilfen sind bereits zusammen gekommen“, bilanzierten Burgdörfer und sein katholischer Kollege Heinrich Henkst Mitte August, „aber 250 würden wir gern nach Duisburg schicken.“ In den Wochen seitdem hatte sich das Aufkommen extrem potenziert. "Ich musste im September und Oktober jeden Tag an der Pforte vorbeigehen", erzählt Pfarrer Henkst, "um den Damen dort Trost zuzusprechen. "Praktisch jeden Tag war eine telefonische Meldung von den Damen an der Information eingegangen: "Hier sind schon wieder Brillen abgegeben worden."

Da Pfarrer Burgdörfer zwischenzeitlich drei Wochen in Urlaub war, durfte Heinrich Henkst das gesammelte "Sehwerkzeug" in die Kapelle befördern. "Wir hätten nie gedacht", bilanzieren die beiden Seelsorger ihre Aktion, "dass so viele Brillen zusammenkommen."
Heribert Tigges vom Deutschen Blindenhilfswerk holte die Paketberge letzten Freitag im Augusta ab.

Noch einmal zur Information:
Auf der Website des DBHW wird ausdrücklich um Brillenspenden für Bedürftige in der Dritten Welt gebeten, wobei das Hilfswerk stets darauf achtet, „dass wir das Geschäft der lokalen Optiker nicht torpedieren.“ Man nimmt in Duisburg gern Brillen an, wenn sie noch gut sind, das Hilfswerk also - drastisch formuliert – nicht als Alternative zur Mülltonne missbraucht wird.  

Das DBHW wurde 1961 gegründet. Im Unterschied zu Selbsthilfegruppen wie den lokalen Blinden- und Sehbehindertenvereinen werden nicht die eigenen Mitglieder, sondern hilfebedürftige blinde und sehbehinderte Menschen in Deutschland, Osteuropa, Ost- und Westafrika sowie vereinzelt in Asien und Südamerika unterstützt. Das Hilfswerk tritt dort helfend ein, wo öffentliche Hand oder soziale Sicherungssysteme wie Krankenkassen nicht (mehr) helfen können oder möchten.