Geliehenes Gonschior-Bild war Zentrum des Abends

Kunst und Seelsorge im Gespräch – das gab es am Pfingstsonntag, anlässlich des dritten Tages der Offenen Kirchen, in der Kapelle der Augusta-Kranken-Anstalt. Das neue, große Gemälde von Kuno Gonschior kam aus dem Bochumer Museum „zu Besuch“ – als kontemplativer, inspirativer, zentraler Punkt dieses Abends, der dem Thema „Farb-Klang-Ton-Stille“ gewidmet war.
Kunst im kirchlichen Bereich hat eine lange Tradition. „Was Sprache und Musik nicht konnten“, erläuterte Dr. Hans-Günter Golinski, Leiter des Bochumer Museums, im Gespräch mit Krankenhaus-Seelsorger Hartwig Burgdörfer, „das wurde damals durch bildliche Darstellung kompensiert.“ Alles habe zusammengespielt und „wollte ins Jenseits weisen.“
Seither habe es ein Auseinandergehen von Bildener Kunst und Kirche gegeben. Man gehe allerdings inzwischen wieder aufeinander zu, was auch dieser Abend in der Augusta-Kapelle ja beweise. Kunst komme in den kirchlichen Bereich zurück. „Aber anders.“
Es sei ja so gewesen, dass die alten Meister von ihren kirchlichen Auftraggebern und Mäzenen regelrecht abhängig waren. Sie haben zwar durchaus theologische Aspekte in ihren Bildern diskutiert. „Bei diesen Auftragsarbeiten“, so Golinski, „war aber alles bis ins Detail inhaltlich vorgegeben.“ Selbst Leonardo da Vinci, ergänzte Burgdörfer, hatte nacharbeiten müssen, weil seine Geldgeber noch nicht vollends zufrieden waren. „Heute können sich die Künstler spirituell ganz anders, viel freier betätigen. Der Glaube sei im Fluss.“

Burgdörfer berichtete, dass es im Augusta sehr viel Kunst gebe. Dass Kunst auch Auswirkungen auf die Patienten habe und bekanntermaßen zur Genesung von Körper und Seele beitrage. „Bilder führen nach innen.“ Mancher Besucher stoße sich allerdings daran, dass im Eingangsbereich des evangelischen Hauses Marilyn Monroe hänge - statt zum Beispiel ein Bild von Jesus Christus oder Martin Luther. In den katholischen Krankenhäusern sei dies anders. Da gebe es stets ein Kreuz. Auch in den Krankenzimmern. Ach wenn diese Kreuze dann nicht an Kunst, sondern mehr an Kunsthandwerk erinnern.

Die Empfindungen jedes Einzelnen bei Betrachtung eines Bildes kommen auf ihn zurück. Das Bild, das betrachtete Werk, werde praktisch ein Spiegel der eigenen Emotionen. Kunst hat allerdings keine Glaubens-Komponente. Golinski erläuterte, dass insofern eine Parallele zwischen Kunst und Seelsorge für ihn nicht auffindbar sei.

Burgdörfer führte aus, dass auch er in seinen Gesprächen, oftmals ein Spiegel sei. Die Gedanken der Menschen im Krankenhaus drehen sich oftmals wie in einer Endlosschleife. Dadurch, dass die Menschen ihre Probleme dem Seelsorger mitteilen, bekommen diese Gedanken eine Richtung, die den Menschen hilft, sich selbst zu helfen. „Dadurch, dass sie mit mir sprechen, nennen sie die Dinge beim Namen, erkennen endlich die eigene Problematik- und können damit umgehen.“

Scherzhaft regte Pfarrer Burgdörfer schließlich noch an, dass Kunst im Krankenhaus eigentlich an der Decke hängen müsse.
Nils Bellmann gab dem Abend auf Orgel und Klavier einen musikalischen Rahmen mit Werken von Olivier Messiaen, Camille Saint-Saens, Johann Sebastian Bach, Franz Liszt und Stefan Heucke.